Ärzte Zeitung, 04.10.2011

Verhütung erhöht Empfänglichkeit für HIV

SEATTLE (ple). Frauen, die hormonell verhüten, haben offenbar ein doppelt so hohes Risiko, sich bei ihrem HIV-infizierten Partner mit dem Aids-Erreger anzustecken wie Frauen, die anders verhüten (Lancet Infect Dis 2011; online 4. Oktober).

Das erhöhte Risiko wurde in einer prospektiven Studie mit fast 3800 heterosexuellen Paaren in sieben Ländern Afrikas festgestellt.

Die Frauen mit erhöhtem Infektionsrisiko waren auch jene, die bevorzugt Depotspritzen mit Medroxyprogesteron-Acetat (DMPA) erhielten.

Es gibt Hinweise, dass die hormonelle Verhütung die Empfänglichkeit für eine Infektion mit HIV-1 verändert.

[04.10.2011, 18:33:00]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Surrogat-Parameter?
Eine Studie, über die man noch lange diskutieren wird: Denn sie unterstellt, dass ausschließlich hormonelle Kontrazeption bevorzugt mit Depotspritzen (3-Monats-Spritze) bei heterosexuellen Paaren in mehreren afrikanischen Ländern kausal zu einer Verdoppelung der sexuellen HIV-Übertragungsrate geführt habe.

Doch HIV-Infektionen gelten als sexuell übertragbare Infektionskrankheit (STI). Und wer bei einer sonst methodisch einwandfreien, prospektiven Studie zu HIV-Transmissionsraten und STI-Risiken nicht explizit nach sexuellem, koitalen Verhalten bzw. nach Beziehungsstrukturen zwischen Frauen und Männern oder Familienplanung fragt, setzt sich dem Verdacht aus, mit der hormonellen Kontrazeption (HK) nur einen Surrogat-Parameter erfasst zu haben. Denn die HK im Gegensatz zu klassischen Barrieremethoden wie Kondom, Scheidendiaphragma, Spermizide o.ä. bewirkt eine ständige kontrazeptive und auch koitale Verfügbarkeit. Barrieremethoden dagegen fördern eine bewusste Auseinandersetzung in der sexuellen Begegnung. Sie erfordern ein abwägendes und zugleich zielgerichtetes aktives Tun bzw. eine Reflexion der Sinnhaftigkeit des interpersonellen Austauschs von potentiell infektiösen (konzeptiven) Körperflüssigkeiten. Deswegen werden Barrieremethoden auch häufiger intuitiv oder spontan weggelassen bzw. nur halbherzig oder sporadisch angewandt. Oder z. B. kombiniert mit Methoden der Natürlichen Familienplanung (NFP).

Das Autoren/-innen Team schreibt im Lancet: "We also assessed several additional variables for potential confounding: region (east Africa vs southern Africa), marital status of couples and the number of children they had together, HSV-2 status of the HIV-1-uninfected partner, circumcision status of the male partner, and STI in either partner, all recorded at study enrolment, and time-dependent measures of sexual frequency (with and without condoms), sex with additional partners, CD4 count of the HIV-1-infected partner, and genital-ulcer disease in either partner. None of these additional variables substantially (>10%) changed the effect estimates and thus they were not included in the final multivariate models."

Es wäre z. B. extrem unwahrscheinlich, dass "zeit-abhängige Messungen der sexuellen Frequenz" oder "Sex mit zusätzlichen Partnern" gerade n i c h t das Risiko einer HIV-Transmission erhöhen und diese "Variabeln" n i c h t
"substanzielle Effekte" erzielen könnten. Doch diese waren nicht "in das abschließende Multivarianzmodell eingeschlossen".

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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