Ärzte Zeitung, 14.02.2013

Viele Bremer Afrikaner glauben

Religion schützt vor HIV

Mit Religion lässt sich vor HIV schützen

Afrikaner, die in Bremen leben, wissen zu wenig über HIV und Aids - und haben deshalb abwegige Vorstellungen vom Umgang mit der Infektion.

BREMEN. Die Forschungsergebnisse einer ersten Studie zu Wissen, Einstellungen und Verhalten von Afrikanern und Afrikanerinnen in Deutschland zeigen, dass sich über die Hälfte der Befragten (63 Prozent) in Bremen mehr Informationen über HIV wünschen, vor allem durch die Medien und die Gesundheitsämter.

So sind auch Fehlannahmen über die Übertragungswege von HIV noch verbreitet, teilt das Instituts for Public Health mit: 8,1 Prozent glauben an Hexerei, 7,1 Prozent an die Übertragung durch die Luft und 9,3 Prozent durch die Anwesenheit im selben Raum.

Um sich vor HIV zu schützen, nennen 95,3 Prozent Kondome, 87,4 Prozent Treue und 75,3 Prozent Abstinenz. Fast ein Viertel der Befragten glaubt aber auch an Schutz durch religiösen Glauben (24,8 Prozent), Sex mit einer Jungfrau (21,8 Prozent) oder die Auswahl eines Partners nach gesundem Aussehen (15,8 Prozent).

HIV will oft geheim gehalten

"Dabei ist auch die Angst vor Stigmatisierung und Diskriminierung ein großes Thema für die afrikanischen Migrantinnen und Migranten", sagt Silke Gräser vom Institut for Public Health zur "Ärzte Zeitung".

So würden zum Beispiel mehr als die Hälfte der afrikanischen Frauen (58 Prozent) die HIV-Infektion eines Familienmitgliedes geheim halten.

"Auch die Gruppe der Afrikaner als solche darf nicht stigmatisiert werden", warnt Gräser, "viele Afrikaner fürchten, dass Afrika und AIDS viel zu schnell in einem Atemzug genannt werden."

In diesem Zusammenhang laufen auch HIV-Präventionsangebote speziell für afrikanische Migrantinnen und Migranten Gefahr, als stigmatisierend empfunden zu werden. HIV-Prävention müsse daher kultursensibel gestaltet werden, hieß es.

Informationen über HIV in Diskos und bei Fußballturnieren

Ein Team des Instituts for Public Health der Bremer Uni, der Freien Universität Berlin und der Universität Oldenburg hat das Projekt "HIV-Prävention und Gesundheitsförderung für Migrantinnen und Migranten aus Sub-Sahara-Staaten" des Bremer Gesundheitsamtes evaluiert.

Es hat mit Hilfe afrikanischer Multiplikatoren Informationen über HIV in Call-Shops, Friseurläden, Diskotheken, bei Fußballturnieren und in den Afrikanischen Gemeinden verbreitet. Insgesamt wurden 333 Afrikaner befragt.

Laut Robert Koch-Institut (RKI) stellt Sub-Sahara Afrika den größten Anteil ausländischer Herkunftsländer der neu AIDS-Erkrankten verglichen mit anderen Herkunftsregionen, hieß es.

Unter den neu gemeldeten AIDS-Fällen in den Jahren 2009 bis 2011, die ein anderes Herkunftsland als Deutschland angaben, stellen die AIDS-Fälle mit Herkunftsland Sub-Sahara-Afrika 38 Prozent und so den größten Anteil in dieser Gruppe, so das RKI. (cben)

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