Ärzte Zeitung, 04.04.2013

Leitartikel zur HIV-Frühtherapie

Ein wichtiger Schritt, aber keine Revolution

Einige wenige HIV-Infizierte benötigen gar keine Therapie - andere können nach einer früh begonnenen und dann abgesetzten Behandlung darauf verzichten. Vielleicht weisen aktuelle Erkenntnisse dazu eines Tages den Weg zur Heilung.

Von Peter Leiner

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Eine generelle Empfehlung für Beginn und Abbruch der Therapie kann es nicht geben.

© dpa

Für eine Revolution bei den Empfehlungen zur Therapie von Patienten mit einer HIV-Infektion taugen die schlagzeilenträchtigen Meldungen der vergangenen Wochen nicht.

Aber sie sind von unschätzbarem Wert für die Erforschung der HIV-Infektion, vor allem der Wechselwirkung zwischen den Aids-Erregern und den befallenen Zellen.

Zur Erinnerung: Über die vorläufige "Heilung" eines über die Mutter infizierten Kindes hatten Kinderärzte vom Johns Hopkins Children's Center in Baltimore vor kurzem auf einer Retroviruskonferenz berichtet.

Obwohl die Therapie ausgesetzt worden war - weil die Mutter mit ihrem Spross eine Zeit lang die ärztliche Betreuung aussetzte -, ließen sich bei dem Kind nur noch Spuren von HIV nachweisen, was als "functional cure" bezeichnet wird - im Gegensatz zur echten Heilung, bei der das Virus komplett aus dem Körper verschwindet.

Jetzt berichten Infektiologen erneut von HIV-Patienten mit funktioneller Heilung (PLOS Pathogens 2013; online 14. März). Diesmal handelt es sich um 14 Patienten in Frankreich, bei denen die antiretrovirale Therapie gleich innerhalb der ersten zwei Monate nach der Infektion begonnen wurde.

Die meisten hatten bereits Symptome, aber mit 500 bis 1000 CD4-positiven Lymphozyten pro Mikroliter Blut noch einen relativ guten Immunstatus.

Auch in Deutschland wird der Therapiebeginn bei symptomatischen HIV-Infizierten bei allen CD4-Werten den Leitlinien zufolge empfohlen; vom Abbruch der Therapie ist aber nicht die Rede, höchstens von erforderlichen Therapiepausen mit engmaschiger virologischer und immunologischer Kontrolle. HIV-Infektion bedeutet noch immer eine lebenslange antiretrovirale Kombinationstherapie ...

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