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Ärzte Zeitung, 21.07.2014

Welt-Aids-Konferenz

Ehrgeizige Ziele und Rückschläge

Weniger Neuinfektionen, weniger Todesfälle: Bei der Eindämmung der Aids-Pandemie gibt es viele Fortschritte. Auf der Welt-Aids-Konferenz in dieser Woche müssen Forscher aber auch Rückschläge verkünden.

Von Christiane Oelrich

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Fortschriftte im Kampf gegen HIV gibt es auch bei der Arzneitherapie.

© Leo Lintang / fotolia.com

MELBOURNE. Der Kampf gegen den Aids-Erreger ist extrem schwierig. Das zeigt jetzt auch bei dem "Mississippi-Baby". Schon kurz nach der Geburt hatten die Ärzte das Kind einer HIV-Infizierten mit Medikamenten behandelt.

Obwohl die Therapie durch die Mutter abgebrochen wurde, konnte der Erreger lange nicht nachgewiesen werden. Die Kleine galt als funktionell geheilt. Dann der Schock: Bei der inzwischen Vierjährigen ist das Virus nun wieder aufgetaucht.

Ernüchternd ist das für die 12.000 Forscher, Experten und Aktivisten, die in dieser Woche zum Welt-Aids-Kongress im australischen Melbourne zusammenkommen. Zwar ist die Immunschwächekrankheit mehr als 30 Jahre nach der Entdeckung des HI-Virus kein Todesurteil mehr, es gibt Medikamente, die ein langes Leben ermöglichen und das Ansteckungsrisiko reduzieren, aber die Herausforderungen bleiben immens.

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So gibt es noch keinen Impfstoff, nicht alle Betroffenen haben Zugang zu den lebensrettenden Arzneien, und viele kämpfen gegen Ausgrenzung.

Schwul und HIV-positiv - darüber zu reden ist für Laurindo Garcia (39) aus den Philippinen eigentlich kein Problem. Als Aushängeschild einer Kampagne ermuntert er Betroffene, ihren Status so wie er im Bekanntenkreis und sozialen Netzwerken bekannt zu machen. Nur als er vor kurzem neue Freunde kennenlernte, ertappte er sich selbst beim Zögern.

"Mein Hirn war wieder voll mit Unsicherheit und Ängsten, die fast alle verfolgen, die mit HIV leben: Angst vor Zurückweisung und Angst davor, als Schande betrachtet zu werden."

Die Organisatoren der Aids-Konferenz haben eine Online-Petition gestartet: "Niemand zurücklassen", gegen Ausgrenzung und Stigma. Prominente Befürworter sind etwa Südafrikas Bischof Desmond Tutu und der britische Unternehmer Richard Branson.

"Diskriminierung ist ein Motor der Epidemie und kostet viele Menschen Leben oder Gesundheit", sagt Carsten Schatz vom Vorstand der Deutschen Aids-Hilfe.

In mehr als 80 Ländern würden Menschen noch wegen ihrer sexuellen Orientierung verfolgt, heißt es darin, und: "Alle Menschen, auch lesbische, schwule, bisexuelle, transsexuelle und intersexuelle, habe gleiche Rechte." Unterzeichner fordern ein Ende der Diskriminierung und kein Geld mehr für Hilfsorganisationen, die Intoleranz predigen.

Die Ausbreitung von HIV/Aids bis 2015 zu stoppen und eine Trendwende einzuläuten ist ein UN-Millenniumsziel. Auch sollen HIV-Ansteckungen durch Sexualkontakte und Mehrfachnutzung von Injektionsnadeln bei Drogensüchtigen (bezogen auf das Jahr 1990) bis dahin halbiert werden.

78.000 HIV-Infizierte in Deutschland

Die Ansteckung von Kindern soll bis 2015 ganz ausgemerzt werden und 15 Millionen Menschen, die Medikamente brauchen, sollen den Zugang bekommen.

Die Ziele sind nach Überzeugung des UN-Programms zur Aids-Bekämpfung (UNAIDS) in greifbarer Nähe. Direktor Michel Sidibé steckt schon ehrgeizige neue Ziele: "Bis 2020 sollen 90 Prozent aller HIV-Infizierten ihren Status kennen, 90 Prozent sollen Zugang zu Medikamenten haben und bei 90 Prozent soll das Virus nicht mehr nachweisbar sein." Eine Mammutaufgabe: 54 Prozent der weltweit 35 Millionen Betroffenen wissen nichts von ihrer Infektion.

"Zu früh durchschlagenden Erfolg zu signalisieren könnte die noch bestehenden Herausforderungen bagatellisieren", warnt Dr. Wafaa El-Sadr von der Columbia-Universität (USA) in der Fachzeitschrift "Science".

"Aids ist nicht vorbei", warnt auch Sidibé. Sein Hauptaugenmerk: "Wir müssen einen Impfstoff finden, um Null Neuansteckungen zu erreichen." Das Thema kommt bei der Konferenz ebenso zur Sprache wie neue Medikamente, HIV im Gesundheitswesen, Finanzierung von Therapien und Diskriminierung.

Das "Mississippi-Baby" wird wieder mit Medikamenten behandelt und ist nach Angaben der Ärzte wohlauf. "Dies ist natürlich eine enttäuschende Wende für das junge Kind, für seine Ärzte und für die gesamte Aids-Forschung", sagte der Direktor des US-Aidsforschungsinstitutes NIAID, Dr. Anthony Fauci.

Fauci: "Wissenschaftlich erinnert uns das daran, dass wir immer noch viel zu lernen haben über die Feinheiten von HIV und wo das Virus sich im Körper versteckt."

Nach Angaben der Vereinten Nationen waren 2013 weltweit rund 35 Millionen Menschen mit HIV infiziert. Etwa 1,5 Millionen Menschen starben im vergangenen Jahr an der Immunschwächekrankheit, wie aus dem Jahresbericht von UNAIDS hervorgeht. Besonders stark betroffen ist Afrika.

Deutschland ist eines der Länder mit der geringsten Verbreitung von HIV und Aids. Nach Schätzungen des RKI sind bundesweit etwa 78.000 Menschen mit HIV infiziert. Etwa 15.000 Menschen starben seit der Erfassung 1982 an Aids. (dpa)

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