Ärzte Zeitung, 24.11.2015

HIV-Forschung

Breit neutralisierende Antikörper im Fokus

Eine Zeitlang waren Antikörper aus dem Blick der HIV-Forscher geraten. Mit den breit neutralisierenden Antikörpern ist das nun anders.

NEU-ISENBURG. Die Hoffnung, erfolgreiche Strategien gegen HIV entwickeln zu können, die die T-Zellimmunität stärken, hat sich bisher nicht erfüllt. Dagegen ist das Interesse der Forscher an die Viren neutralisierenden Antikörpern zur Therapie oder Prävention gestiegen.

Das Problem: Im Verlauf einer HIV-Infektion entstehen viele Virusvarianten, die sich mit Antikörpern nur einer Spezifität nicht erfolgreich bekämpfen lassen.

Vor wenigen Jahren entdeckten Forscher, dass im Körper weniger HIV-Infizierter - das sind etwa ein Prozent - nach langer Infektionsdauer auch Antikörper gebildet werden, die breit virusneutralisierend wirken und mehrere HIV-Varianten zugleich erkennen.

Ein solcher Antikörper ist das Immunglobulin 3BNC117, das aus einem HIV-Infizierten isoliert und kloniert worden war, dessen Immunsystem den Aids-Erreger optimal in Schach halten konnte (J Virol 2012; 86: 12676).

Antikörper gut verträglich

Der Antikörper erkennt Strukturen von Bindungsstellen auf HIV-1, die gp120-Region der env-Moleküle, die auf T-Lymphozyten an CD4-Rezeptoren - die Eintrittspforte für den Aids-Erreger in die Zelle - andocken.

In einer ersten klinischen Studie gelang es tatsächlich, mit dem gut verträglichen Antikörper bei noch unbehandelten HIV-Infizierten die Virusmenge - wenn auch nicht anhaltend - deutlich zu reduzieren (Nature 2015; 522: 487-491). Um die Viren gut unter Kontrolle halten zu können, reicht jedoch die Behandlung ausschließlich mit breit neutralisierenden Antikörpern voraussichtlich nicht aus.

Aber solche Antikörper könnten eine wertvolle Ergänzung für die HIV-Therapie sein, wie Dr. Henning Gruell und Professor Florian Klein von der Universität zu Köln vorhersagen (MMW-Fortschr. Med. 2015; 157 (S2): 46-49).

Sie könnten etwa im Sinn einer Therapieintensivierung in Kombination mit einer herkömmlichen antiretroviralen Therapie angewendet werden.

Zudem sei es vorstellbar, dass sie nach dem Absetzen der ART einen Wiederanstieg (Rebound) der Viruslast verhindern, so die Wissenschaftler. Möglicherweise könnten sie auch helfen, latente HIV-Reservoirs zu reduzieren. (ple)

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