Ärzte Zeitung, 09.03.2016

Aids-Therapie

Kryptokokken-IRIS ist jetzt erklärbar

Forscher haben diejenigen Zellen identifiziert, die für ein lebensbedrohliches Entzündungssyndrom - die Kryptokokken-IRIS - unter einer Aids-Therapie verantwortlich sind.

LEIPZIG. Wissenschaftler der Universität Leipzig haben einen wichtigen Beitrag bei der Erforschung eines bisher rätselhaften, lebensbedrohlichen Entzündungssyndroms geleistet, das oft bei der Aids-Therapie auftritt, teilt die Uni Leipzig mit. Sie analysierten die Mechanismen, die zu dieser unkontrollierten Entzündungsreaktion führen.

Ihre Erkenntnisse veröffentlichten die Forscher unter Federführung von Professor Gottfried Alber von der Veterinärmedizinischen Fakultät in der Zeitschrift "European Journal of Immunology" (2015; 45(12): 3339-3350).

"Das Entzündungssyndrom steht direkt mit einer Pilzinfektion im Zusammenhang, die eine der Haupttodesursachen von HIV-Patienten darstellt.

Allein in Ländern südlich der Sahara infizieren sich jährlich mehr als 1.000.000 HIV-Patienten neu mit Kryptokokken, den Erregern dieser Pilzinfektion. Die Sterblichkeit liegt bei bis zu 60 Prozent", wird Alber in der Mitteilung zitiert.

Das liegt daran, dass HIV das Immunsystem der Betroffenen unterdrückt. Inzwischen erhalten HIVPatienten daher immer häufiger Medikamente, die das Immunsystem wieder aufbauen.

Allerdings kann dadurch paradoxerweise plötzlich eine unkontrollierte, überschießende Entzündungsreaktion hervorgerufen werden. Diese sogenannte Kryptokokken-IRIS (ImmunRekonstitutions-Inflammatorisches-Syndrom) stelle ein neues gravierendes medizinisches Problem dar, heißt es in der Mitteilung.

Hirnhautentzündung häufig

"Die Patienten erkranken dabei häufig an einer Hirnhautentzündung", so Alber. Diese "immunologische Entgleisung" ist nun von ihm und seinem Team in einem durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft geförderten Projekt untersucht worden.

"Es müssen gezielte Therapieansätze für Kryptokokken-IRIS entwickelt werden. Dies erfordert eine detaillierte, systematische Untersuchung der auslösenden Mechanismen. Ein geeignetes experimentelles Modell kann daher entscheidend zum Verständnis der Krankheitsentstehung beitragen", erläutert Diplom-Biologin Maria Eschke, die bei Alber am Institut für Immunologie der Universität Leipzig eine Dissertation zu diesem Thema geschrieben hat.

Gemeinsam mit Professor Steffen Roßner und Dr. Corinna Höfling vom Paul-Flechsig-Institut für Hirnforschung der Universität Leipzig identifizierte die Arbeitsgruppe die Zellen, die für Kryptokokken-IRIS verantwortlich sind.

"Die weiteren Forschungsarbeiten zielen nun darauf ab, die komplexen Mechanismen von Kryptokokken-IRIS in der Tiefe zu charakterisieren, um Marker für die Diagnostik und Prognosestellung zu finden und natürlich, um gezielte Therapieansätze zu entwickeln", erläutert Institutsleiter Alber. (eb)

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