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Resistente Keime machen Kliniken immer mehr zu schaffen

FRANKFURT AM MAIN (dpa). Gegen Medikamente unempfindliche Keime werden in Kliniken zu einem immer größeren Problem. Infektionen mit resistenten Staphylokokken (MRSA) sind in deutschen Kliniken seit 1990 um das Zehnfache gestiegen, wie das Bundesamt für Sera und Impfstoffe meldet, und eine Trendwende ist nicht in Sicht.

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Die Frankfurter Klinikallianz, ein Zusammenschluß von vier Kliniken mit mehr als 3400 Betten, berichtet jetzt über Erfolge im Kampf gegen resistente Bakterien: Durch Routinekontrollen von Patienten und Personal und strenge Hygiene sei es gelungen, die Zahl der MRSA-Infektionen im Vergleich zum Bundesdurchschnitt zu halbieren.

MRSA steht für "Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus", ein gegen das Breitband-Antibiotikum Methicillin unempfindlicher Staphylokokken-Keim. Für die meisten Krankenhaus-Patienten oder das medizinische Personal ist MRSA nicht gefährlich - sie können den Erreger aber weitertragen und so zu einer Gefahr für andere werden.

Kritisch wird es, wenn die resistente Variante des Bakteriums kranke Menschen befällt, die offene Wunden haben oder deren Abwehr geschwächt ist. MRSA kann Lungenentzündungen, Blutvergiftungen oder andere Infektionen auslösen, die manchmal tödlich sein können. "Das ist besonders bei schwer kranken Patienten ein zunehmendes Problem", sagt der Direktor des Instituts für Mikrobiologie am Frankfurter Universitätsklinikum, Professor Volker Brade.

Mikrobiologen laufen stets mit den Bakterien um die Wette: Ein neues Antibiotikum kommt auf den Markt, einzelne Erreger werden dagegen resistent, neue Medikamente versuchen, diese Keime zu töten, doch auch dagegen entwickeln sich Resistenzen. Die Statistik zeigt dabei einen deutlichen Zusammenhang mit der verschriebenen Menge von Antibiotika. Deutschland steht im internationalen Vergleich sogar verhältnismäßig gut da. Noch besser schneiden Island und die skandinavischen Länder ab, schlecht ist die Situation hingegen in Griechenland und Großbritannien.

Die Waffe Methicillin ist mit MRSA stumpf geworden, dann kamen die Glykopeptide, doch auch hier sind in den USA die ersten resistenten Stämme aufgetaucht, wie der Frankfurter Mikrobiologe Professor Thomas Wichelhaus berichtet. "Wir sind darauf angewiesen, daß wir immer neue Antibiotika bekommen, um den Bakterien einen Schritt voraus zu sein."

Immerhin sei bisher weltweit noch kein Keim gefunden worden, der komplett resistent war. Auch gegen MRSA gibt es noch Wirkstoffe. Aber, abgesehen von unerwünschten Wirkungen dauert die Behandlung länger und ist teurer. "Man kann etwa sagen, die Behandlung kostet bei MRSA 7000 Euro mehr", sagt Professor Lothar Thomas vom Nordwest-Krankenhaus in Frankfurt am Main.

Gemeinsam wollen die vier Kliniken, die ihre Allianz 2001 begründet haben, die MRSA-Ausbreitung eindämmen. Sie nehmen routinemäßig bei gefährdeten Patienten Abstriche und testen die Proben in Labors. Sie untersuchen regelmäßig Schwestern und Pfleger, ob sie MRSA-besiedelt sind und die Keime von Patient zu Patient tragen könnten.

MRSA ist schnell und langlebig: "In 24 Stunden hat ein infizierter Patient ein Drittel seines Zimmers kontaminiert", sagt der Labormediziner Thomas. "Der Keim kann auf Oberflächen mehr als 100 Tage überleben." Daher sei Hygiene "das A und O".

Die Kliniken der Allianz haben daher Reinigungspläne und Sanierungsanleitungen aufgestellt. Wichelhaus befürchtet die Gefahr eines Rückschlags: Wenn aus Kostengründen Reinigungspersonal eingespart oder die Arbeit an Fremdfirmen abgegeben werde, könnten die Bakterien einen neuen Vorsprung bekommen.

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