Ärzte Zeitung, 17.02.2004

Schnelle Typisierung von Pseudomonas mit Biochip

Bereits nach sechs Stunden liegt das Testergebnis mit hoher Treffsicherheit vor / Erkennung anhand unterschiedlicher DNA-Bausteine

FRANKFURT AM MAIN (nsi). Mit einem DNA-Chip ist es möglich, Bakterien innerhalb von wenigen Stunden zu typisieren, viel schneller als mit herkömmlichen Methoden.

Durch Farbreaktionen des Chips lassen sich Stämme von Pseudomonas aeruginosa unterscheiden.

Das Gefäß für den Biochip gleicht einem Eppendorf-Röhrchen. Fotos (2): Clondiag Chip Technologies, Jena

Infektionen mit Pseudomonas aeruginosa können für Menschen mit geschwächtem Immunsystem lebensbedrohlich sein. Von den nosokomialen Infekten, die tödlich enden, beruhen bis zu 80 Prozent auf dem Gram-negativen Bakterium.

Forscher der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) haben gemeinsam mit dem Jenaer Unternehmen Clondiag einen DNA-Chip entwickelt, mit dem sich der Erreger innerhalb von sechs Stunden typisieren läßt. So wird es möglich, die Infektionsquelle rasch zu ermitteln und die Ausbreitung zu verhindern.

"Bisher werden Isolate von Pseudomonas aeruginosa mit einer aufwendigen Methode, der Wechselfeld-Gel-Elektrophorese, typisiert", sagte Dr. Lutz Wiehlmann von der MHH, der den Biochip bei einem Kongreß der Dechema über Chip-Techniken in Frankfurt am Main vorgestellt hat.

Die herkömmlichen Untersuchungen dauern mindestens zwei Wochen. Der neue Test eignet sich für alle Labors mit einer Grundausstattung für die Polymerase-Kettenreaktion. Ausgangsmaterial ist ein Ausstrich der Probe, etwa Sputum oder Abstriche von Oberflächen, auf einer Agarplatte. Eine weitere Kultivierung ist nicht nötig.

Das Testgefäß gleicht einem Eppendorf-Röhrchen. Nachgewiesen wird ein Muster von Basenpaaren, die eine hohe Variabilität zwischen verschiedenen Bakterienstämmen haben. "Die Bestimmungsgenauigkeit beträgt mindestens 99,7 Prozent", sagte Wiehlmann.

Eine Software speichert, welche Stämme von wo isoliert wurden, und informiert damit über Gefahrenquellen in einer Abteilung. Außerdem liefert der Biochip Hinweise auf die Pathogenität eines Stammes, indem er auf verschiedene Exotoxine und Adhäsionsfaktoren testet. Der Chip wird im Mai 2004 auf den Markt kommen.

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