Ärzte Zeitung, 22.09.2004

Selen hilft, die Sterblichkeit von Sepsis-Patienten zu senken

Hinweise aus ersten placebokontrollierten Studien / Ergebnisse der Zwischenauswertung einer randomisierten Studie vorgestellt

FELLBACH (ple). Schwerkranke Patienten mit Sepsis können von einer Selen-Therapie profitieren. In ersten Studien ließ sich bei den Patienten die Mortalität von 80 auf 30 Prozent senken. Derzeit läuft eine große randomisierte Studie dazu.

In Deutschland haben etwa 300 Menschen pro 100 000 Einwohnern eine schwere Sepsis. In den vergangenen Jahren hat sich die Sterblichkeit bei Sepsis-Patienten nicht wesentlich verändert, wie Professor Roland Gärtner von der Uni-Klinik München sagt. Sie liegt noch immer im Mittel bei 50 Prozent. Auch die moderne Antibiotikatherapie habe darauf keinen wesentlichen Einfluß gehabt, so der Endokrinologe bei einer Tagung des Unternehmens Biosyn in Fellbach bei Stuttgart. Anlaß der Tagung war der 20. Jahrestag der Firmengründung.

Der Selenspiegel ist bei Sepsis deutlich verringert mit der Folge, daß die Aktivität des antioxidativen Enzyms Glutathionperoxidase ebenfalls vermindert ist. Die ermutigenden Ergebnisse erster placebokontrollierter Studien mit Natrium-Selenit - von dem Unternehmen als Selenase® angeboten - seien Anlaß für eine multizentrische, randomisierte Studie bei Patienten mit schwerer Sepsis gewesen, sagte Gärtner. In der Studie erhalten 230 Patienten 1000 Mikrogramm Natrium-Selenit als Bolus und dann 1000 Mikrogramm pro Tag für 14 Tage oder Placebo, und zwar zusätzlich zu der üblichen intensivmedizinischen Therapie.

Nach Angaben von Gärtner konnte den Ergebnissen einer Zwischenauswertung der Daten von 120 Patienten die Mortalität um zwölf Prozent gesenkt werden. Die Endauswertung soll in wenigen Monaten vorliegen.

Wie Professor Konrad Reinhart aus Jena berichtete, hat die Sepsis noch immer nicht die gleiche Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit wie Krebs und Aids. Um die Sepsis-Häufigkeit und die Sterblichkeit bei Sepsis zu senken und die Öffentlichkeit mehr für diese Krankheit zu sensibilisieren, wurde 2001 die Deutsche Sepsis-Gesellschaft gegründet. In Zusammenarbeit mit internationalen Initiativen wie die Surviving Sepsis Campaign wollen die Intensivmediziner innerhalb von fünf Jahren die Letalität bei Sepsis um 25 Prozent senken. Um valide Aussagen zum Effekt der Sepsistherapie machen zu können, seien Studien mit bis zu 2000 Patienten erforderlich.

Weitere Informationen im Internet unter www.sepsis-gesellschaft.de und www.kompetenznetz-sepsis.de/

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