Ärzte Zeitung, 06.10.2004

Malaria in Deutschland ist nicht ausgeschlossen

Zunehmende Klimaerwärmung könnte die Rückkehr der Krankheit möglich machen / Keine Gefahr von Epidemien

DÜSSELDORF (dpa). Die Malaria war nicht immer nur eine Tropenkrankheit. Im 19. Jahrhundert grassierten kleinere Epidemien an der deutschen Küste, wo sich in den Feuchtgebieten die Anopheles-Mücke vermehrte. Sogar noch nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Soldaten mit Malaria infiziert, die in den Rheinwiesen ihr Lager aufgeschlagen hatten, wie der Düsseldorfer Parasitologe Professor Heinz Mehlhorn berichtet. Inzwischen sind einige Experten der Ansicht, daß mit der Klima-Erwärmung eine Rückkehr der Malaria nach Deutschland nicht mehr ausgeschlossen ist.

Eine Mücke Anopheles quadrimaculatus sticht zu. Anopheles-Mücken können Malaria-Erreger übertragen. Sechs Anopheles-Arten gibt es in Deutschland. Foto: dpa

"Die Mücke, die Malaria überträgt, haben wir hier schon", sagt Mehlhorn. Und sie finde hierzulande immer bessere Bedingungen. Immerhin sechs Arten der Anopheles gebe es in Deutschland, die die Erreger übertragen können.

Auch eine Studie des Bonner Professors Walter Maier im Auftrag des Umweltbundesamts hat ergeben, daß bei bestimmten Bedingungen das Risiko einer Malaria-Ansteckung in Deutschland wächst. "Es muß nur ein paar Wochen richtig heiß werden, wenn wir dann noch eine gewisse Menge infizierter Menschen haben, sind die Bedingungen für eine Ausbreitung da", sagt Mehlhorn. Denn die heimischen Mücken müßten sich erst selbst mit Malaria-Erregern infizieren, indem sie Kranke stechen.

Große Malaria-Epidemien mit Millionen Infizierten wie in Entwicklungsländern seien dennoch nicht zu befürchten: Die medizinische Versorgung in Deutschland und die mögliche Bekämpfung der Mücken mit Insektiziden mache eine großflächige Ausbreitung der Krankheit unwahrscheinlich. Pro Jahr werden in Deutschland durch Infektionen im Ausland etwa 1000 Malariakranke gezählt, von denen zehn bis 20 sterben. Weltweit sterben jährlich mehr als eine Million Menschen an Malaria.

Die Hitze ist bei der Ausbreitung der Malaria der entscheidende Faktor, weil die Krankheitserreger in der Anopheles-Mücke sich erst von einer bestimmten Temperatur an entwickeln können. Zwei Wochen lang muß es dazu Tag und Nacht mindestens 18 Grad warm sein. "Im vergangenen Jahr haben wir solche Bedingungen gehabt", so Mehlhorn. "Aber da haben die Mücken zum Glück nicht genug Infizierte gestochen."

Auch der Leiter der Arbeitsgruppe Malaria am Hamburger Tropeninstitut, Dr. Volker Heussler, sieht keine Gefahr von Malaria-Epidemien in Deutschland. "Man braucht einen gewissen Schwellenwert an Erregern, damit Malaria sich ausbreitet", erklärt er.

Dennoch kann es grundsätzlich auch in Deutschland zur Übertragung der Malaria kommen. So hatten sich in Duisburg 1997 zwei Mädchen, die nie in Malariagebieten gewesen waren, in einem Krankenhaus mit Malaria tropica angesteckt.

Die Krankheit war von der Mücke Anopheles plumbeus übertragen worden, deren Larven in einem wassergefüllten Astloch in der Nähe des Duisburger Klinikums gefunden wurden. Zur selben Zeit wurde damals ein Mädchen aus Angola in der Klinik wegen Malaria behandelt - die Mücke hatte sie vermutlich zuerst gestochen und dann die beiden Mädchen.

Das Risiko eines erneuten Ausbruchs der Malaria in Deutschland könnte durch bessere Vorsorge verringert werden, betont Mehlhorn: "Es ist unglaublich, wie leichtsinnig die Leute sind. Mehr als die Hälfte aller Urlauber reisen ohne Vorsorge in Malaria-Gebiete." Je weniger Menschen den Erreger ins Land bringen, desto geringer sei das Risiko, daß die Malaria in Deutschland wieder heimisch wird.

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