Ärzte Zeitung, 11.03.2005

Jeder dritte Mensch lebt mit Malaria-Risiko

Neue Berechnungen mit Computer-Modell / Zahlen liegen weit über WHO-Schätzung

NAIROBI (ug). Jeder dritte Mensch auf der Welt ist dem Risiko einer Malaria-tropica-Infektion ausgesetzt. 515 Millionen Malaria-Infizierte hat es im Jahr 2002 gegeben. Das haben Epidemiologen aus Großbritannien und Kenia anhand eines mathematischen Modells errechnet, berichtet "Nature" online.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) lag mit ihren geschätzten Zahlen viel niedriger: Für 2002 gab die WHO 273 Millionen Infizierte an - also etwa nur halb so viele. Die WHO-Berechnungen basieren auf passiven Schätzungen. Es werden Zahlen ausgewertet, die nationale Gesundheitsbehörden und Krankenhäuser der WHO melden. Nur in Afrika trägt die WHO selbst aktiv Daten zusammen.

Nun seien amtliche Statistiken vieler Länder fehlerhaft, und viele Kliniken meldeten die Daten nicht weiter. Außerdem würden viele Malaria-Kranke nicht in Krankenhäusern behandelt. Deshalb haben die Forscher aus Oxford und Nairobi um Professor Robert Snow von den Wellcome Trust Research Laboratories in Nairobi ein Computer-Modell entwickelt.

Eingegeben wurden klimatische, epidemiologische, demographische und geographische Daten für das Jahr 2002. "Dann drückten wir auf einen Knopf, und diese Zahl kam raus", so Snow in "Nature".

Unterschätzt wird vor allem das Risiko außerhalb Afrikas, besonders in Südostasien: Die errechneten Patientenzahlen liegen um 200 Prozent höher als von der WHO vermutet. Die WHO-Experten wollen in Zukunft mit Snows Team zusammenarbeiten.

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