Ärzte Zeitung, 28.10.2005

Wie Zellen des Immunsystems Fremdkörper erkennen

Robert Koch-Medaille geht an US-Immunologen

BERLIN (ple). Der in Kuba geborene US-Immunologe Professor Emil R. Unanue aus St. Louis hat Wesentliches zur Aufklärung der zellulären Immunität beigetragen. Für sein Lebenswerk erhält er heute die Robert Koch-Medaille in Gold der Robert Koch-Stiftung.

Freut sich über die Robert Koch-Medaille in Gold 2005 für seine Forschungen zur zellulären Immunität: Professor Emil R. Unanue. Fotos (2): Robert Koch-Stiftung

Woran erkennt das Immunsystem, daß etwa Bakterien oder fremde Eiweißstoffe in den Körper eingedrungen sind? Und wie schafft es die Immunabwehr, gezielt Zellen gegen die fremden Strukturen mobil zu machen?

Unanue hat herausgefunden, daß nach dem Eindringen von Keimen oder Antigenen zunächst Freßzellen die Fremdkörper in sich aufnehmen, verarbeiten und Bruchstücke davon auf ihrer Oberfläche auf Rezeptoren präsentieren. Ohne dieses Zutun der Phagozyten reagieren die Lymphozyten nicht.

Wie werden diese zerstückelten Fremdkörper dem Immunsystem präsentiert? Unerläßlich für diese Präsentation sind die Gewebeverträglichkeitsantigene, die MHC-Moleküle (major histocompatibility complex).

Noch im Innern der Zelle binden sich die Fremdkörper-Bruchstücke an das MHC-Molekül, das dann auf die Außenseite der Zelle transportiert wird. T-Lymphozyten erkennen mit einem spezifischen Rezeptor diese MHC-Moleküle mit ihrer fremden Fracht und werden dadurch aktiviert. Unanue hat nachgewiesen, daß ein einziger Rezeptor-Typ ausreicht, um das fremde Antigen auf dem Transplantations-Molekül zu erkennen.

Vom MHC-Molekül gibt es zwei Klassen: Klasse-I- und Klasse-II-Moleküle. MHC-I-Moleküle werden von T-Killer-Zellen zur Abwehr von Viren erkannt, MHC-II-Moleküle von T-Helfer-Zellen zur Abwehr von Bakterien. Unanues Entdeckungen sind von großer Bedeutung für die Entwicklung von Impfstoffen gegen intrazellulär lebende Bakterien.

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