Ärzte Zeitung, 08.03.2006

Plädoyer für rasche Diagnose bei Mykose-Verdacht

Schnelle Therapie rettet Leben

BREMEN (grue). Pilz-Infektionen sind für geschwächte Patienten gefährlich, aber oft nur schwer zu erkennen. 76 Prozent der systemischen Mykosen werden erst post mortem diagnostiziert. Eine gründliche Diagnostik mit einer schnell darauf folgenden Therapie kann vielen das Leben retten.

Das bedeutet nicht, daß alle diese Patienten an Mykosen gestorben sind. "Aber invasive Mykosen verlaufen erschreckend häufig tödlich, und zwar Candida-Infektionen zu 30 Prozent und Aspergillosen zu fast 70 Prozent", sagte Professor Herbert Hof aus Mannheim.

"Charakteristische Zeichen für eine Pilzinfektion sind eher selten, und auch die Grenze zwischen bloßer Besiedlung und Infektion ist nicht immer scharf", so Hof auf einer Veranstaltung des Unternehmens MSD in Bremen. "Man muß eben bei Risiko-Patienten immer an Pilze denken", betonte Hof. Eine Gefährdung besteht bei schweren Leukopenien oder akuten Leukämien, längerer Steroid- oder Antibiotikatherapie, künstlicher Ernährung oder nach Transplantation.

Candida-Pilze können sich festsetzen, ohne krank zu machen

In retrospektiven Untersuchungen traten 90 Prozent der invasiven Mykosen während einer stationären Behandlung auf, davon die Hälfte bei operierten Patienten. Das Hauptproblem sind Candida-Infektionen, die zu etwa 70 Prozent durch Candida albicans hervorgerufen werden.

Amphotericin B und das besser verträgliche Antimykotikum Caspofungin (Cancidas®) wirken nach Angaben von Hof fungizid bei vielen Candida-Hefen. Es sei jedoch wichtig, so schnell wie möglich zu behandeln.

Der Nachweis von Candida-Pilzen im Stuhl oder Urin sei jedoch kein Beleg für eine Infektion, und selbst im Trachealsekret können sich Candida-Hefen festsetzen, ohne krank zu machen. "Fast die Hälfte der Patienten mit Candida-Pilzen im Sputum haben keine Candida-Pneumonie", berichtete Hof, "im Gegenzug kann aber bei fehlender Besiedlung eine Candida-Pneumonie ziemlich sicher ausgeschlossen werden."

Bei Verdacht auf eine Pilzinfektion sollte eine mikrobiologische Diagnostik erfolgen. Der Nachweis des Candida-Antigens Mannan helfe kaum weiter, so Hof. Das Aspergillen-Antigen Galactomannan dagegen hat hohen diagnostischen Wert und eignet sich zur Erfolgskontrolle. So fällt dessen Konzentration bei der Behandlung mit Caspofungin rasch ab.

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