Test hilft, Antibiotika-Therapie zu verkürzen

BERLIN (gvg). Wird die Behandlung von Patienten mit Pneumonie in der Klinik mit dem Verlauf des Sepsismarkers Procalcitonin kontrolliert, kann die durchschnittliche Dauer der Antibiotika-Therapie von 13 auf sechs Tage reduziert werden. Das hat eine Studie ergeben.

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"Für die pauschale Empfehlung, daß Antibiotika so lange genommen werden sollten, bis die Packung leer ist, gibt es keine medizinische Grundlage", sagte Professor Beat Müller von der Universität Basel. Wegen zunehmender Resistenzen hält er außer einer generellen Zurückhaltung bei der Verschreibung von Antibiotika eine Verkürzung der Behandlungsdauer für wünschenswert.

Patienten kamen mit Pneumonie in die Klinik

In eine randomisiert-kontrollierte Studie wurden 302 Patienten aufgenommen, die mit einer Pneumonie in die Notaufnahme der Universität Basel kamen. In der Studie hat Müller untersucht, ob anhand des Sepsis-Markers Procalcitonin (ProCT) entschieden werden kann, wann eine Antibiotikatherapie beendet werden sollte. Die Studie ist im "American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine" online vorab veröffentlicht worden.

ProCT ist ein Sepsismarker, mit dem deutlich besser zwischen bakteriellen und nicht-bakteriellen Infektionen unterschieden werden kann als mit dem dazu oft verwendeten C-reaktiven Protein. In der Studie hat Müller einen Serumgrenzwert von 0,25 Mikrogramm ProCT pro Liter Serum gewählt. In der einen Gruppe wurden die ProCT-Serumspiegel an den Tagen vier, sechs und acht nach Beginn der Antibiotikatherapie bestimmt.

Wenn der ProCT-Spiegel unter den Grenzwert gefallen war, wurde die Antibiotikatherapie beendet. In der Kontrollgruppe entschieden die Ärzten ohne ProCT-Serumspiegel. "Bei den Behandlungsergebnissen gab es in beiden Gruppen keinerlei Unterschiede", so Müller auf einer von dem Unternehmen Brahms unterstützten Veranstaltung. Brahms stellt den verwendeten ProCT-Test her.

Mit dem Test läßt sich die Infekt-Schwere erkennen

Bei der Dauer der Therapie jedoch war der Unterschied statistisch signifikant: Die Patienten der Kontrollgruppe wurden im Mittel 13 Tage behandelt, die Patienten, bei denen gemessen wurde, nur sechs Tage. "Bei Patienten mit positiven Blutkulturen und solchen mit Fieber waren die Behandlungszeiten länger als bei anderen Patienten", so Müller. Dies zeige, daß es mit der ProCT-Messung möglich sei, zwischen leichteren und schwereren Verläufen zu differenzieren.

Müller sieht die ProCT-Messung auch als ideale Methode an, um eine gezielte ambulante Antibiotikatherapie bei Atemwegsinfekten zu machen. Die Messung sei geeignet, Patienten, die auf einem Antibiotikum bestehen, anhand eines Meßwerts davon zu überzeugen, daß es nicht nötig ist. In einer weiteren Studie mit 460 Patienten hat Müller geprüft, ob das Vorgehen auch bei Hausärzten funktioniert. Die Ergebnisse sollen demnächst publiziert werden.

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