Ärzte Zeitung, 27.07.2006

KOMMENTAR

Maximaler Aufwand bei Seuchengefahr

Von Stefan Käshammer

Auf der Isolierstation der Frankfurter Uniklinik wird seit vergangenem Freitag ein Patient mit Lassa-Fieber behandelt. Da die Infektion jedoch erst in Deutschland zweifelsfrei nachgewiesen werden konnte, war der Afrikaner aus Sierra Leone zunächst schwerkrank um die halbe Welt gereist.

Patienten, die Erreger wie Lassa-, Ebola- oder Marburg-Virus nach Deutschland einschleppen, setzen eine äußerst aufwendige medizinische Logistik in Gang: Im Fall des Lassa-Patienten werden derzeit Passagiere von drei internationalen Flügen überwacht - sie alle gelten als Kontaktpersonen.

Der 68jährige Patient aus Sierra Leone wurde in einem Hochsicherheitstransport von Münster in das Frankfurter infektiologische Schwerpunktzentrum verlegt. Dort wird er nun von einem Team aus über 30 Ärzten und Pflegern rund um die Uhr betreut.

Isolierstationen wie die in Frankfurt gibt es bundesweit nur in wenigen Städten. Sie bereit zu stellen ist teuer, genutzt werden sie selten, ausgelastet sind sie fast nie. Dennoch brauchen wir sie. Denn durch den internationalen Reiseverkehr können hochansteckende Infektionen wie Lassa- oder Ebola-Fieber auch in Deutschland zur Bedrohung werden.

Dem kann man vorbeugen, indem für erkrankte Patienten die teuren aber notwendigen Isolierstationen bereit gehalten werden. Im Fall des Lassa-Patienten an der Frankfurter Uniklinik hat bisher alles vorbildlich funktioniert.

Lesen Sie dazu auch:
Lassa-Infektion begann sehr untypisch

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