Direkt zum Inhaltsbereich

Schwere Wundinfekte mit Keim aus der Ostsee

BERLIN (eis). Patienten mit Wundinfektionen sollten gefragt werden, ob die Wunde in Kontakt mit warmem Meerwasser gekommen ist. Das empfiehlt das Robert-Koch-Institut (RKI). Anlaß sind vereinzelte Wundinfektionen mit Vibrionen aus Meerwasser. Da die Infektionen zu schweren Komplikationen führen können, ist bei Verdacht eine gezielte Antibiotika-Therapie wichtig.

Veröffentlicht:

Die Keime Vibrio vulnificus und V. cholerae vermehren sich bei Wassertemperaturen über 20°C. In den vergangenen Wochen ist V. vulnificus in der Ostsee in Mecklenburg-Vorpommern und im Atlantik in den USA nachgewiesen worden, berichtet das RKI (Epi Bull 32, 2006, 277).

Über Wundinfektionen mit V. cholerae wurde von der Ostsee in Südschweden berichtet. Das RKI merkt dazu an, daß es sich bei den Keimen nicht um die toxin-produzierenden Erreger der klassischen Cholera handelt.

Gelangen die Keime in offene Wunden, kann dies bei einzelnen Patienten zu schwersten bis tödlichen Erkrankungen führen. Auftreten können tiefgreifende Nekrosen, die Amputationen erfordern, und Septikämien. Gefährdet sind vor allem ältere und immungeschwächte Personen mit Vorerkrankungen wie Leberleiden oder Diabetes mellitus. So ist im Jahr 2003 in Greifswald eine chronisch kranke Frau nach Vibrionen-Infektion an septischem Schock gestorben (wir berichteten).

In diesem Sommer sind in Vorpommern nach RKI-Angaben ein 57jähriger Diabetiker, ein 72jähriger KHK-Patient mit Stauungsödem und ein 76jähriger mit Ulcus cruris an den Infektionen erkrankt. Bei allen Patienten hätten sich durch eine umgehende Antibiose Komplikationen vermeiden lassen.

Offene Wunden dürfen nicht in Kontakt mit warmem Meerwasser kommen, betont das RKI deshalb. Bei Urlaubsrückkehrern mit Wundinfektionen sollte zudem immer an Vibrionen-Infektionen gedacht werden. Die Zeit zwischen Meerwasser-kontakt und Wundinfektion betrage in der Regel nur wenige Stunden. Bei Verdacht auf eine Vibrionen-Infektion ist eine frühzeitige Antibiotika-Therapie wichtig. Das RKI empfiehlt zum Beispiel Tetrazykline in Kombination mit Cephalosporinen der dritten Generation oder Gyrasehemmer.

Ärztemerkblatt zu V. vulnificus unter: http://cdl.niedersachsen.de/blob/images/C10276908_L20.pdf

Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

© EAU

Ergänzung EAU-Leitlinie 2026

Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

© robertprzybysz | iStock

Persistierende Onychomykosen

Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

© Domepitipat | iStock

Lebensqualität zurückgewinnen

Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Pityriasis versicolor

© iStock / C5C

Kleienpilzflechte im Sommer

Pityriasis versicolor sicher erkennen und gezielt behandeln

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Interdisziplinäres Patienten-Management – ein Praxisleitfaden

© APOGEPHA Arzneimittel GmbH | Generated by AI

Überaktive Blase

Interdisziplinäres Patienten-Management – ein Praxisleitfaden

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: APOGEPHA Arzneimittel GmbH, Dresden
Abb. 1: MS-Krankheitsdynamik: Patientinnen und Patienten bewegen sich von frühen Stadien über Phasen fokaler Entzündung in fortgeschrittene, meist irreversible Stadien

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [4]

Multiple Sklerose heute

Praxisrelevante Daten im Fokus

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Primär Biliäre Cholangitis: therapeutisches Potenzial der PPAR-Aktivierung

© Kateryna_Kon / stock.adobe.com

PPAR-Isoform-Selektivität: wissenschaftliche Grundlagen und klinische Relevanz

Primär Biliäre Cholangitis: therapeutisches Potenzial der PPAR-Aktivierung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gilead Sciences GmbH, Planegg-Martinsried
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Risikopatienten identifizieren

Osteoporose: So verhindern Sie die (nächste) Fraktur

Ein Jahr ePA

Hausarzt berichtet: „ePA gehört zum Praxisalltag“

Lesetipps
Schematische Darstellung der Lunge mit Bakterienbesiedlung.

© Working Moments / stock.adobe.com

Mikrobiomforschung

Atemwegs-Dysbiose befeuert Lungenerkrankungen