Ärzte Zeitung, 21.11.2006

14tägige Selentherapie bei Patienten mit Sepsis verringert Sterblichkeit

Das Spurenelement Selen bringt Stoffwechselreaktionen wieder ins Lot

DÜSSELDORF (grue). Hochdosiertes Selen kann die Mortalität von Patienten mit schwerer Sepsis und septischem Schock verringern. Das Spurenelement stärkt das Immunsystem und reguliert verschiedene Stoffwechselprozesse.

Die Therapie mit anorgischem Selen (Selenase®) ist preisgünstig und gut verträglich. "Weil viele Sepsis-Patienten niedrige Plasma-Selenspiegel haben, setzen bereits viele Kliniken auf die Selentherapie", sagte Professor Konrad Reinhart von der Universität Jena bei einer Veranstaltung des Unternehmens Biosyn. "Bisher fehlten aber Wirksamkeitsbelege aus kontrollierten Studien." Die schon vorliegenden Daten ließen vermuten, daß sich die Mortalität von Sepsis-Patienten mit Selen um etwa 20 Prozent verringern läßt.

Das habe sich zwar in einer jetzt abgeschlossenen prospektiv-randomisierten Studie nicht in vollem Umfang bestätigt, "die Ergebnisse weisen aber auf einen deutlichen Vorteil für die Selenbehandlung hin", sagte Reinhart. An der Studie haben 238 Patienten mit Sepsis teilgenommen, die zusätzlich zur Sepsis-Therapie mit hochdosiertem Selen oder Placebo versorgt worden sind. In der Gesamtauswertung war der Unterschied zwischen den Gruppen statistisch nicht signifikant.

Signifikant war er aber bei den 189 Patienten, die durchgehend für 14 Tage behandelt worden sind (Per-Protocol-Analyse). Innerhalb eines Monats starben 42 Prozent der Patienten in der Selen-Gruppe und 57 Prozent der Patienten in der Kontrollgruppe. Das entspricht einer relativen Risikoreduktion von mehr als 14 Prozent.

"Werden nur die Patienten ausgewertet, die nach Beginn der Sepsis noch mindestens zwei Tage lebten und damit eine reelle Chance auf Genesung hatten, fällt der Vorteil für die Selen-Therapie noch viel deutlicher aus", sagte Reinhart. Durch die Selen-Substitution werden viele Stoffwechselreaktionen wieder in Gang gesetzt. Das gilt besonders für die Regulation des Redoxstatus.

SepNet, das Kompetenznetz Sepsis, will den Nutzen der Selentherapie nun nochmals bei 1000 Patienten prüfen. "Die Selen-Substitution ist offenbar eine einfache Maßnahme, um die Prognose dieser schwerkranken Patienten zu verbessern", so Reinhart. Die Kosten in Höhe von etwa 100 Euro für eine zweiwöchige Selenbehandlung fallen bei der insgesamt aufwendigen Sepsis-Therapie nicht ins Gewicht.

Infos zur Sepsis im Internet unter: www.kompetenznetz-sepsis.de

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