Ärzte Zeitung, 22.02.2007
Tigecyclin macht resistenten Keimen den Garaus
Breitspektrum-Antibiotikum wirkt sowohl gegen grampositive als auch gegen gramnegative Bakterien
BREMEN (grue). Das Breitspektrum-Antibiotikum Tigecyclin wirkt gegen grampositive und gramnegative Krankheitserreger. Auf Intensivstationen hat sich das Mittel gegen resistente Staphylokokken und Enterobakterien bewährt. Eine Zulassungserweiterung zur Therapie bei Pneumonien wird angestrebt.
 |
| Professor Tobias Welte aus Hannover: Tigecyclin dringt schnell in das Gewebe ein. Foto: Cramer-Gesundheits-Consulting |
Das von den Tetracyclinen abgeleitete Tigecyclin (Tygacil®) hat von den neueren Antibiotika das breiteste Wirkspektrum, sagt Professor Tobias Welte aus Hannover. Es wirke gegen alle wichtigen Krankheitserreger auf Intensivstationen mit Ausnahme von Proteus-Keimen und Pseudomonaden. "Die Substanz dringt schnell in das Gewebe ein und erreicht dort Konzentrationen, die den Serumspiegel um das Zweihundertfache übersteigen", so Welte bei einer Veranstaltung des Unternehmens Wyeth in Bremen. "Besonders Probleme mit grampositiven Erregern scheinen dank neuer Antibiotika nun lösbar." Methicillin-resistente Staphylokokken (MRSA) und Vancomycin-resistenten Enterokokken (VRE) treten nämlich immer häufiger auf.
In Deutschland werden inzwischen 22 Prozent der Staphylokokken-Infektionen von MRSA verursacht. Die häufige Anwendung von Fluorchinolonen außerhalb von Kliniken begünstige MRSA, so Welte. Nach seinen Angaben haben zum Beispiel mit Ciprofloxacin zuvor behandelte Patienten ein doppelt so hohes Risiko für eine MRSA-Infektion als solche, die vorab mit einem anderen oder mit keinem Antibiotikum behandelt worden sind. Bei einer Infektion mit resistenten bakteriellen Keimen ist das Risiko für Komplikationen erhöht, und die Patienten müssen signifikant länger in der Klinik versorgt werden.
Tigecyclin ist bisher bei komplizierten Haut- und Weichteilinfektionen sowie bei schweren intraabdominellen Infektionen zugelassen. Das neue Antibiotikum wirkt dabei ebenso gut wie eine Standardtherapie mit Vancomycin/Aztreonam (bei Haut- und Weichteilinfektionen) oder Imipenem/Cilastatin (bei Bauchinfektionen). Tigecyclin wird zudem bei Pneumonie-Patienten in Phase-III-Studien geprüft. Bei ambulant erworbene Pneumonie ist Tigecyclin danach ähnlich wirksam wie Levofloxacin. Studiendaten zur Wirksamkeit bei nosokomialer Pneumonie werden erwartet, wie Welte sagte. Fallen die Daten positiv aus, dann erwartet er, dass die Indikation für Tigecyclin erweitert wird.

Weitere Beiträge
Weitere Top-Meldungen
[18.03.2010]
Die private Krankenversicherung konzentriert ihren Wettbewerb auf junge, gesunde Versicherte, lässt alte Tarife systematisch vergreisen und kranke Versicherte in die Kostenfalle laufen. Die ärztliche Versorgung ist teuer und - anders als in der GKV - ohne effektive Steuerungsmöglichkeiten.
mehr »
[18.03.2010]
Der Ulmer Generikahersteller ratiopharm wird an den weltgrößten Hersteller von Nachahmerprodukten, Teva Pharmaceutical, verkauft. Das teilten Teva und die zur Merckle Gruppe gehörende VEM Vermögensverwaltung am Donnerstag mit. Der Verkaufspreis liegt bei 3,625 Milliarden Euro.
mehr »
[18.03.2010]
Trotz des kalten Winters könnte die Zeckenplage und das damit verbundene Risiko einer Gehirnhautentzündung weiter ansteigen. "Es gibt keine Veranlassung zu glauben, dass die Zecken weniger geworden sind", erklärte Professor Jochen Süss vom Friedrich-Loeffler-Institut in Jena am Mittwoch auf einer Veranstaltung in München.
mehr »