Ärzte Zeitung, 29.06.2010

Kommentar

Konsequenter gegen Klinikkeime!

Von Wolfgang Geissel

In Deutschland sterben nach Schätzungen der Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) jedes Jahr bis zu 15 000 Menschen, weil sie sich in einer Klinik eine schwere Infektion zugezogen haben. Insgesamt rechnet das Robert Koch-Institut bei uns mit jährlich 500 000 nosokomialen Infektionen im Jahr. Weil dadurch nicht nur die Patienten belastet werden, sondern auch die Verweildauer in der Klinik deutlich verlängert wird, führen die Infektionen zu erheblichen Kosten: Daten aus Deutschland liegen zwar nicht vor, in einer britischen Studie zu sozioökonomischen Folgen nosokomialer Infektionen ergab sich aber eine Erhöhung der Krankenhauskosten auf das 2,8fache, berichtet das RKI.

Durch neue Erreger, eine älter werdende Bevölkerung und die nachlassende Wirksamkeit von Antibiotika wird sich das Problem in den nächsten Jahren noch verschlimmern. Um das Ausmaß nosokomialer Infektionen einzudämmen, gibt es bei uns aber noch einigen Raum für Verbesserungen. Große Bedeutung hat gut ausgebildetes Hygienepersonal. Wichtig ist es, Infektionsraten in Krankenhäusern zu bestimmen. Unverzichtbar sind gute Standards zur Infektionskontrolle wie Impfungen von Personal, Isolierung von Patienten sowie Kontrolle der Antibiotika-Anwendung und auch die Händedesinfektion. Besonders die einfachen Maßnahmen sind ein guter Ansatz für Verbesserungen in noch vielen Kliniken.

Lesen Sie dazu auch den Hintergrund:
Acinetobacter baumanii: Bei diesem Keim in der Klinik ist Feuer unterm Dach

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