Direkt zum Inhaltsbereich

Sterilitätsnachweis von Infusionen dauert Tage

Für unreife Neugeborene werden ganz spezielle Nährlösungen gemischt. Tests zur Sterilität gab es in der Uniklinik Mainz. Die Kontaminationen wurden aber zu spät entdeckt.

Veröffentlicht:
Die Infusion sollte Leben retten, doch sie war verseucht.

Die Infusion sollte Leben retten, doch sie war verseucht.

© dpa

MAINZ/ROSTOCK (dpa). Verunreinigungen von Infusionslösungen wie am Universitätsklinikum Mainz sind nach Ansicht des Chefs des Hygieneinstituts an der Rostocker Uniklinik, Andreas Podbielski, nicht ungewöhnlich. "Ursache dafür sind meist individuelle Fehler vom Laborpersonal", sagte Podbielski am Montag der Nachrichtenagentur dpa. Alle Mitarbeiter in diesen Laboren seien zwar bestens ausgebildet, und die Kontrolle der Labormethoden sei umfassend.

Bei der Herstellung von Nährlösungen seien aber immens viele Handgriffe nötig. "Auch in Reinraumlaboren arbeiten Menschen, und dann können eben Fehler passieren", betonte der Experte. Ob die aus den Nährlösungen isolierten Krankheitserreger aus der Klinikapotheke oder von den Mitarbeitern in Mainz stammen, lässt sich jetzt mit einer Feintypisierung klären.

Mit Enterobacter und vermutlich einem zweiten Keim verschmutzte Infusionen sind in der Mainzer Universitätsklinik möglicherweise die Todesursache bei zwei Säuglingen auf der Intensivstation. "Kinderärzte beantragen kurzfristig Nährlösungen, die ganz speziell für die unreifen Neugeborenen gemischt werden - es gibt da keine Standardernährung", erläuterte Podbielski. Die Nährlösungen enthalten verschiedene Komponenten wie Eiweiße, Zucker, Fette oder Vitamin-Cocktails.

Typischerweise würden die Lösungen schon wenige Stunden nach der Bestellung intravenös verabreicht. Es sei wegen dieses Zeitdrucks nicht möglich, mehrere Tage zu warten, bis Untersuchungen zur Sterilität der Lösungen vorliegen. In Mainz wurden die Lösungen am Freitag hergestellt und kamen direkt an den Tropf.

Parallel waren von den Infusionen Kulturen angelegt worden. Nach den Keimfunden am Samstag wurden die Kinder sofort antibiotisch behandelt. Neugeborene sind extrem anfällig für jegliche Art von Keimen. "Da reichen sehr geringe Keimzahlen aus, um ungünstige Krankheitsverläufe hervorzurufen."

In jedem Labor gebe es stichprobenartige Kontrollen, um die Sterilität zu überprüfen. Podbielski betonte, dass der Mainzer Fall nichts mit der Diskussion über Klinikhygiene und multiresistente Bakterien zu tun habe. Es müsse nun überprüft werden, ob ein systematischer Fehler vorliege. Er gehe davon nicht aus.

Lesen Sie dazu auch: Kamen die Keime aus der Apotheke? Keime in Infusionslösung - zwei Säuglinge tot

Mehr zum Thema

Multiple Sklerose heute

Praxisrelevante Daten im Fokus

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg

Überprüft

5 Mythen übers Impfen im Faktencheck

Das könnte Sie auch interessieren
Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

© EAU

Ergänzung EAU-Leitlinie 2026

Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

© robertprzybysz | iStock

Persistierende Onychomykosen

Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

© Domepitipat | iStock

Lebensqualität zurückgewinnen

Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Pityriasis versicolor

© iStock / C5C

Kleienpilzflechte im Sommer

Pityriasis versicolor sicher erkennen und gezielt behandeln

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Interdisziplinäres Patienten-Management – ein Praxisleitfaden

© APOGEPHA Arzneimittel GmbH | Generated by AI

Überaktive Blase

Interdisziplinäres Patienten-Management – ein Praxisleitfaden

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: APOGEPHA Arzneimittel GmbH, Dresden
Abb. 1: MS-Krankheitsdynamik: Patientinnen und Patienten bewegen sich von frühen Stadien über Phasen fokaler Entzündung in fortgeschrittene, meist irreversible Stadien

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [4]

Multiple Sklerose heute

Praxisrelevante Daten im Fokus

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Primär Biliäre Cholangitis: therapeutisches Potenzial der PPAR-Aktivierung

© Kateryna_Kon / stock.adobe.com

PPAR-Isoform-Selektivität: wissenschaftliche Grundlagen und klinische Relevanz

Primär Biliäre Cholangitis: therapeutisches Potenzial der PPAR-Aktivierung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gilead Sciences GmbH, Planegg-Martinsried
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Überprüft

5 Mythen übers Impfen im Faktencheck

Über eine Million Datensätze

Wie die Menopause Körperprozesse beeinflusst

Lesetipps
Ein Arzt stellt während einer ärztlichen Konsultation und Untersuchung ein Rezept für einen Asthma-Inhalator aus.

© Goffkein / stock.adobe.com

Asthmakontrolle und SABA-Übergebrauch

Schlecht kontrolliertes Asthma: Was getan werden kann