Ärzte Zeitung, 08.09.2010

Resistenzen fordern Pharmaforscher heraus

Resistenzen fordern Pharmaforscher heraus

Infektionen sind nach Krebs das zweite große Gebiet, in dem schon bald Innovationen erwartet werden.

Resistenzentwicklungen zwingen die Wissenschaftler, nach neuen Medikamenten zu forschen. Wie der vfa - Verband forschender Arzneimittelhersteller mitteilt, könnten in den kommenden Jahren sieben neue Breitband-Antibiotika zugelassen werden. Ein Präparat befinde sich bereits im europäischen Zulassungsverfahren, sechs weitere befänden sich in der Phase III der klinischen Entwicklung. Fünf Breitband-Antibiotika darunter seien darüber hinaus auch gegen multiresistente Staphylococcus-aureus-Bakterien (MRSA) wirksam, die vor allem in Kliniken vorkommen. Und: Auch an einem Impfstoff gegen MRSA werde bereits geforscht.

Auch die Gefahr durch Tuberkulose ist nach wie vor nicht gebannt, weltweit erkranken nach Angaben der vor zehn Jahren gegründeten Organisation TB Alliance mehr als 9,2 Millionen Menschen weltweit an der Infektionskrankheit. Vor allem in Entwicklungs- und osteuropäischen Ländern nimmt die Zahl der Tuberkulose-Patienten zu, auch aufgrund von Infektionen mit dem Aids-Erreger HIV.

Drei neue Wirkstoffe bereits in Phase-II-Studien

Auch weil es immer mehr resistente Tb-Erreger gibt, wird die Suche nach neuen Wirkstoffen gegen Tuberkulose intensiviert, mit denen sich darüber hinaus die Therapiedauer von sechs Monaten um mehrere Monate verkürzen lässt. Drei neue Wirkstoffe gegen Mycobacterium tuberculosis aus den Labors forschender Pharma-Unternehmen werden derzeit bereits in Phase-II-Studien getestet. Es handelt sich um die Nitroimidazol-Präparate OPC-67683 und PA-824 sowie um ein Diarylchinolon mit der Bezeichnung TMC-207. Nitroimidazole leiten sich von Azomycin ab, einem Produkt der Streptomyceten. Zur ersten therapeutisch genutzten Generation der Nitroimidazole gehört Metronidazol zur Behandlung von Protozoen und anaeroben Bakterien. Diarylchinolone gehören wie Moxifloxacin zur Gruppe der Gyrasehemmer.

Aber auch schon existierende Antibiotika, die bisher nur gegen andere Krankheiten erprobt sind, könnten helfen. Am weitesten fortgeschritten ist in dieser Gruppe die klinische Prüfung von Moxifloxacin, einem 8-Methoxy-Fluorochinolon, das etwa bei Pneumonien zugelassen ist. Die Unternehmen arbeiten bei ihrer Tuberkulose-Forschung meist mit der Organisation TB Alliance zusammen.

Mehrere Unternehmen konzentrieren sich schließlich in ihrer Tuberkulose-Forschung unter anderen auf die Entwicklung weiterer Gyrasehemmer, auf die Synthese von Hemmstoffen des Enzyms Malat-Synthase von Mykobakterien sowie auf LeuRS-Hemmer, mit denen sich gezielt die Eiweiß-Synthese in den Tuberkulose-Erregern verhindern lässt. (ple)

Lesen Sie dazu auch:
Interesse an innovativen Krebsmitteln ist derzeit groß

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