Ärzte Zeitung, 25.10.2010

Medizintouristen verbreiten multiresistente Keime

Der "Superkeim" aus Indien zeigt: Multiresistente Keime wurden durch Medizintouristen importiert.

Von Privatdozent Tomas Jelinek

Medizintouristen verbreiten multiresistente Keime

Unliebsame Mitbringsel von Fernreisen sind Krankheitserreger.

© Oskar / fotolia.com

Kultur und Geschichte in Rajasthan, "easy going" am Strand von Goa oder eine Schönheitsoperation in einer Privatklinik in Delhi: drei unterschiedliche Gründe für eine Indienreise. Medizintourismus als Reisemotiv boomt in Indien und anderen asiatischen Ländern. Nach einer Studie von McKinsey und der "Confederation of Indian Industry" wird die medizinische Versorgung ausländischer Patienten in Indien im Jahr 2012 schätzungsweise Einnahmen von ca. 2,2 Milliarden US-Dollar einbringen.

Abgesehen von vielschichtigen sozioökonomischen und ethischen Problemen, die diese Entwicklung in den betroffenen Ländern mit sich bringt, drohen auch globale Risiken und Nebenwirkungen, wie eine im August 2010 veröffentlichte Studie von Lancet Infectious Diseases ergab (The Lancet Infectious Diseases 2010; 10: 597).

So fanden sich bei 37 britischen Patienten, die sich großenteils in Indien und Pakistan in stationärer Behandlung, darunter auch Schönheitsoperationen, befunden hatten, Infektionen durch gramnegative Erreger mit einem Gen, welches die Bildung von New Delhi Metallo-ß-Lactamase 1 (NDM 1) kodiert. Die Keime aus der Familie der Enterobacteriaceae waren resistent gegen ß-Lactam-Antibiotika, Fluorochinolone und Aminoglykoside. Lediglich die Antibiotika Tigecyclin und Colistin zeigten noch eine Wirksamkeit. In Indien, Pakistan und Bangladesch wurde eine weite Verbreitung von NDM-1-produzierenden Erregerstämmen nachgewiesen.

Die Autoren oben genannter Studie drücken ihre Besorgnis darüber aus, dass sich durch Medizintourismus vor allem nach Indien die multiresistenten Erreger und das NDM-1-kodierende Plasmid weltweit ausbreiten könnten. Inzwischen wurden auch aus Kanada, den USA und einigen anderen Ländern Erkrankungen mit den "Super-Bakterien" gemeldet. In Brüssel war bereits im Juni ein Patient, der in Pakistan einen Verkehrsunfall erlitten und sich dort im Krankenhaus mit den Erregern infiziert hatte, verstorben.

Infos zur Reisemedizin: www.crm.de

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