Direkt zum Inhaltsbereich

Hodenschmerzen: Ursache war eine Zoonose

Bei einem Patienten mit Hodenschmerzen entstand der Verdacht eines Malignoms. Die Untersuchungen ergaben eine Brucellose. Es ist eine generalisierte Infektion, auch wenn der lokale Befall im Vordergrund steht: etwa einseitige Epididymorchitis bei 2 bis 40 Prozent der Männer.

Dr. Thomas MeißnerVon Dr. Thomas Meißner Veröffentlicht:
Auf computertomografischen Bildern war bei dem Patienten eine Splenomegalie zu sehen.

Auf computertomografischen Bildern war bei dem Patienten eine Splenomegalie zu sehen.

© P. Probst, Winterthur

WINTERTHUR. Berichtet ein Patient über Hodenschmerzen, Fieber und Nachtschweiß, kommen Ärzte bei der Diagnostik voran, wenn sie nach Herkunft, Reisen und besonders nach der Ernährung fragen. Denn Schweizer Urologen weisen darauf hin, dass die Ursache nichtpasteurisierte Milch sein könnte.

Besonders Frischkäse aus nichtpasteurisierter Milch komme als Auslöser in Betracht, schreiben Dr. P. Probst vom Kantonsspital Winterthur und Kollegen. Sie schildern die Krankheitsgeschichte eines 57-jährigen Mannes, der wegen plötzlicher linksseitiger Hodenschmerzen den Hausarzt aufsuchte.

Außerdem hatte er subfebrile Temperaturen, Nachtschweiß und leichten Gewichtsverlust. Sonografisch war eine Malignom-verdächtige Induration am unteren Hodenpol nachweisbar. Die Computertomografie ergab unspezifisch vergrößerte thorakale Lymphknoten und eine Splenomegalie (Der Urologe 2011, 50: 71).

Patient war zwei Monate zuvor durch Peru gereist

Die offene Hodenbiopsie bestätigte jedoch nicht den Verdacht auf einen bösartigen Tumor. Vielmehr ergab die histologische Untersuchung eine granulomatöse Orchitis. Differentialdiagnostisch kommen dann in erster Linie eine Tuberkulose oder eine Brucellose in Frage.

Tatsächlich war der Mann zwei Monate zuvor durch Peru gereist und hatte oft nichtpasteurisierten Frischkäse gegessen. Die Blutkultur war positiv für Brucella melitensis. Die Diagnose wurde darüber hinaus serologisch gesichert.

Mit Ultraschall ergab sich eine unruhige, unspezifische Morphologie mit angedeutetem "Sternenhimmelbild" des linken Hodens bei blandem Befund.

Mit Ultraschall ergab sich eine unruhige, unspezifische Morphologie mit angedeutetem "Sternenhimmelbild" des linken Hodens bei blandem Befund.

© P. Probst, Winterthur

In den Industrieländern ist die Brucellose wegen der veterinärmedizinischen Überwachung sehr selten geworden. Endemisch ist die Infektion jedoch weiterhin im Mittelmeerraum, im Nahen Osten, Indien, Afrika sowie in Mittel- und Südamerika.

Das Labor muss einen Hinweis bekommen

Daher finden sich Brucellosen besonders bei Migranten oder bei Reisenden. Wie bei der Tuberkulose können die Symptome erst Jahre nach der Infektion auftreten. Sehr oft fehlen objektivierbare Befunde. Bei persistierendem oder undulierendem Fieber mit unspezifischen Allgemeinsymptomen sollte daher die Diagnose erwogen werden.

Das mikrobiologische Labor sollte auf einen Verdacht hingewiesen werden, damit man dort die Kultivierungsbedingungen und die Sicherheitsmaßnahmen anpassen könne. Denn die Brucellose ist eine der häufigsten Laborinfektionen. Die Blutkultur wird meist erst nach einer Woche positiv, die Sensitivität liegt bei lediglich 80 Prozent.

Therapeutischer Standard ist orales Doxycyclin kombiniert mit Streptomycin oder Gentamycin. Ähnlich wirksam ist Doxycyclin plus Rifampicin für sechs Wochen. Diese Kombination erhielt der Schweizer Patient. Allerdings passierte das, womit man bei jedem zehnten Brucellose-Patienten rechnen muss: Es kam zum Rezidiv.

Nachdem die ursprüngliche Antibiose erneut verordnet und mit täglichen Gentamicin-Infusionen für zwei Wochen verstärkt worden war, blieb der Mann rezidivfrei.

Brucellose

Vorkommen: Brucellen können sich in Makrophagen vermehren, daher ihre Vorliebe für das retikuloendotheliale System.

Erreger: unbewegliche, gramnegative, aerobe Stäbchen.

Natürlicher Wirt: Ziegen, Schafe, Rinder, Schweine; Menschen sind Fehlwirte.

Übertragung: Hautverletzungen, Verzehr kontaminierter Milchprodukte.

Mehr zum Thema

Dringender Handlungsbedarf

Kontaktlinsen und rotes Auge – an mikrobielle Keratitis denken!

Das könnte Sie auch interessieren
Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

© EAU

Ergänzung EAU-Leitlinie 2026

Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

© robertprzybysz | iStock

Persistierende Onychomykosen

Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

© Domepitipat | iStock

Lebensqualität zurückgewinnen

Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Pityriasis versicolor

© iStock / C5C

Kleienpilzflechte im Sommer

Pityriasis versicolor sicher erkennen und gezielt behandeln

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Primär Biliäre Cholangitis: therapeutisches Potenzial der PPAR-Aktivierung

© Kateryna_Kon / stock.adobe.com

PPAR-Isoform-Selektivität: wissenschaftliche Grundlagen und klinische Relevanz

Primär Biliäre Cholangitis: therapeutisches Potenzial der PPAR-Aktivierung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gilead Sciences GmbH, Planegg-Martinsried
Abb. 1: Studie MajesTEC-3: progressionsfreies Überlebenc

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Neue Therapieoption beim rezidivierten oder refraktären Multiplen Myelom (RRMM)

Teclistamab-Daratumumab erzielt bislang unerreichten PFS-Vorteil bei RRMM ab dem 1. Rezidiv

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Janssen-Cilag GmbH, a Johnson & Johnson company, Neuss

Vitamin-B12-Mangel

Frühzeitig erkennen, gezielt therapieren

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Wörwag Pharma GmbH & Co. KG, Böblingen
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Prognose meist günstig

Schulterschmerzen in der Hausarztpraxis: Aufklären statt röntgen!

„ÄrzteTag“-Podcast

Die Impfsaison startet: Wie gehen Sie vor, Dr. Fleischhauer?

Lesetipps
Dreidimensionale medizinische Illustration des Varicella-Zoster-Virus, einem Virus das Windpocken, Hautblasen, Nesselsucht, Wunden und Gürtelrose verursacht.

© Corona Borealis / stock.adobe.com

Atypische Symptome

Kasuistik: Periphere Fazialisparese mit erstaunlicher Ursache