Ärzte Zeitung, 16.11.2011

Hintergrund

Dein Freund das Fieber

Wenn Kinder Fieber haben, werden manche Eltern unruhig. Doch Fieber ist ein Freund und kein Gegner, es unterstützt die Heilung bei einer Infektion. Es ist deshalb unsinnig, die überhöhte Temperatur mit allen Mitteln senken zu wollen.

Von Lajos Schöne

Fieber ist bei kleinen Kindern meist ein Freund und kein Gegner

Gliederschmerzen, appetitlos, quengelig: Geht bei kleinen Kindern Fieber mit solchen Symptomen einher, dann sollte es gesenkt werden.

© Kontrec / shutterstock

Fieber ist eine der wichtigsten Immunreaktionen des Körpers. Bei den erhöhten Körpertemperaturen wird nämlich das Wachstum von Viren und auch einiger Bakterienarten stark gehemmt. Phagozyten (Fresszellen) zum Beispiel arbeiten bei 39 Grad optimal.

Da Kinder noch für viele Viren anfällig sind, gegen die Erwachsene längst eine Immunität entwickelt haben, sind sie ganz besonders häufig betroffen. Ratschläge für den Umgang mit Fieber hat jetzt die Stiftung Kindergesundheit zusammengestellt.

Nicht das Fieber macht krank

"Bei Kindern, die trotz erhöhter Temperatur munter sind und normal essen und trinken, muss Fieber nicht gesenkt werden", betont die Stiftung. Kleine Kinder ertragen hohe Körpertemperaturen in der Regel besser als Jugendliche oder Erwachsene.

Selbst hohes Fieber über 40 Grad macht ihnen oft nichts aus. "Leidet ein Kind aber offensichtlich bei Temperaturen über 38,5 Grad, dann ist es sinnvoll, das Fieber zu senken", so die Stiftung Kindergesundheit.

Eltern sollten dabei wissen: Nicht das Fieber macht ein Kind krank, sondern der Infektions-Erreger. Die Suche nach der Ursache des Fiebers ist deshalb wichtiger als Maßnahmen dagegen, betont die Stiftung.

Rektale Fiebermessung bei Kindern empfohlen

Gemessen werden sollte Fieber bei kleinen Kindern grundsätzlich rektal. Bei der Messung im Mund besteht Verletzungsgefahr durch Zerbeißen des Thermometers, und in der Achselhöhle ist die Messung bei kleinen Kindern zu ungenau.

Das Thermometer im After muss festgehalten werden. Auf keinen Fall darf ein Kind dabei sich selbst überlassen bleiben. Die Messung sollte rektal mindestens fünf, unter der Achselhöhle oder unter der Zunge zehn Minuten dauern.

Schneller geht es mit digitalen Thermometern, die überdies ohne Quecksilber auskommen. Geeignet sind auch elektronische Ohr- und Stirn-Thermometer. Bei ihnen sind jedoch Ungenauigkeiten möglich (etwa durch Ohrenschmalz).

Zäpfchen eignen sich am besten

Zur Fiebersenkung sind Zäpfchen die ideale Arzneimittelform für kleine Kinder. Paracetamol gilt dabei als das für Kinder am besten verträgliche fiebersenkende Schmerzmittel. Bei Überdosierungen der Substanz sind allerdings schwere Leberschäden möglich, warnt die Stiftung.

Ibuprofen hat eine ähnlich gute fiebersenkende Wirkung wie Paracetamol und eignet sich ebenfalls zur Analgesie. Die Substanz hat sich auch bei der Behandlung von Kindern mit Otitis media bewährt.

Kein ASS an Kinder unter zwölf Jahren

ASS sollte wegen des sehr seltenen Risikos eines "Reye-Syndroms" - mit Gefahr einer schweren Leber- und Hirnschädigung - bei Kindern unter zwölf Jahren nicht verwendet werden.

Manche Kinder- und Jugendärzte verordnen "Viburcol"-Zäpfchen. Sie enthalten Wirkstoffe der Kamille und lindern Begleitsymptome des Fiebers wie Unruhe, Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit. Einige Naturmediziner empfehlen zur Fiebersenkung auch kamillenhaltige Einläufe.

Viel Flüssigkeit geben

Kinder mit Fieber brauchen zudem viel Flüssigkeit, um das durch Schwitzen verlorene Wasser zu ersetzen. Zu Beginn des Fieberanstiegs frösteln viele Kinder und sollten mit einer Decke oder Wärmflasche warm gehalten werden.

Kühlung wird erst empfohlen, wenn sich nicht nur Gesicht und Stirn, sondern auch die Beine und der übrige Körper warm anfühlen. So sollten etwa Wadenwickel bei kalten Gliedern auf keinen Fall angewendet werden.

Wickel stets um beide Waden

Die Wickel müssen nicht kalt sein, betont die Stiftung: Es reicht völlig aus, wenn die Temperatur der Tücher zehn Grad unter der des Körpers liegt. Empfohlen wird dafür zimmerwarmes (22 Grad) oder sogar bis zu 30 Grad warmes Wasser.

Mit den Wickeln sollten stets beide Waden der Kinder getrennt eingepackt werden und die Tücher von den Fußgelenken bis kurz unter die Knie reichen. Sie sind alle fünf bis 15 Minuten zu erneuern, bis das Fieber um ein bis zwei Grad gesunken ist.

Abkühlungsbad kommt meist gut an

Die meisten fiebernden Kinder empfinden ein Abkühlungsbad als angenehm. Zu Beginn liegt dabei die Wassertemperatur etwa zwei Grad Celsius über der Körpertemperatur. Dann kaltes Wasser zulaufen lassen - so, dass die Temperatur innerhalb von zehn Minuten auf etwa 30 Grad sinkt.

Die Kinder sollten etwa sieben Minuten im abgekühlten Wasser bleiben. Auch Abwaschen der nackten Haut mit lauwarmem oder kühlem Wasser wird bei Fieber als angenehm empfunden.

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