Hintergrund

Dein Freund das Fieber

Wenn Kinder Fieber haben, werden manche Eltern unruhig. Doch Fieber ist ein Freund und kein Gegner, es unterstützt die Heilung bei einer Infektion. Es ist deshalb unsinnig, die überhöhte Temperatur mit allen Mitteln senken zu wollen.

Von Lajos Schöne Veröffentlicht:
Gliederschmerzen, appetitlos, quengelig: Geht bei kleinen Kindern Fieber mit solchen Symptomen einher, dann sollte es gesenkt werden.

Gliederschmerzen, appetitlos, quengelig: Geht bei kleinen Kindern Fieber mit solchen Symptomen einher, dann sollte es gesenkt werden.

© Kontrec / shutterstock

Fieber ist eine der wichtigsten Immunreaktionen des Körpers. Bei den erhöhten Körpertemperaturen wird nämlich das Wachstum von Viren und auch einiger Bakterienarten stark gehemmt. Phagozyten (Fresszellen) zum Beispiel arbeiten bei 39 Grad optimal.

Da Kinder noch für viele Viren anfällig sind, gegen die Erwachsene längst eine Immunität entwickelt haben, sind sie ganz besonders häufig betroffen. Ratschläge für den Umgang mit Fieber hat jetzt die Stiftung Kindergesundheit zusammengestellt.

Nicht das Fieber macht krank

"Bei Kindern, die trotz erhöhter Temperatur munter sind und normal essen und trinken, muss Fieber nicht gesenkt werden", betont die Stiftung. Kleine Kinder ertragen hohe Körpertemperaturen in der Regel besser als Jugendliche oder Erwachsene.

Selbst hohes Fieber über 40 Grad macht ihnen oft nichts aus. "Leidet ein Kind aber offensichtlich bei Temperaturen über 38,5 Grad, dann ist es sinnvoll, das Fieber zu senken", so die Stiftung Kindergesundheit.

Eltern sollten dabei wissen: Nicht das Fieber macht ein Kind krank, sondern der Infektions-Erreger. Die Suche nach der Ursache des Fiebers ist deshalb wichtiger als Maßnahmen dagegen, betont die Stiftung.

Rektale Fiebermessung bei Kindern empfohlen

Gemessen werden sollte Fieber bei kleinen Kindern grundsätzlich rektal. Bei der Messung im Mund besteht Verletzungsgefahr durch Zerbeißen des Thermometers, und in der Achselhöhle ist die Messung bei kleinen Kindern zu ungenau.

Das Thermometer im After muss festgehalten werden. Auf keinen Fall darf ein Kind dabei sich selbst überlassen bleiben. Die Messung sollte rektal mindestens fünf, unter der Achselhöhle oder unter der Zunge zehn Minuten dauern.

Schneller geht es mit digitalen Thermometern, die überdies ohne Quecksilber auskommen. Geeignet sind auch elektronische Ohr- und Stirn-Thermometer. Bei ihnen sind jedoch Ungenauigkeiten möglich (etwa durch Ohrenschmalz).

Zäpfchen eignen sich am besten

Zur Fiebersenkung sind Zäpfchen die ideale Arzneimittelform für kleine Kinder. Paracetamol gilt dabei als das für Kinder am besten verträgliche fiebersenkende Schmerzmittel. Bei Überdosierungen der Substanz sind allerdings schwere Leberschäden möglich, warnt die Stiftung.

Ibuprofen hat eine ähnlich gute fiebersenkende Wirkung wie Paracetamol und eignet sich ebenfalls zur Analgesie. Die Substanz hat sich auch bei der Behandlung von Kindern mit Otitis media bewährt.

Kein ASS an Kinder unter zwölf Jahren

ASS sollte wegen des sehr seltenen Risikos eines "Reye-Syndroms" - mit Gefahr einer schweren Leber- und Hirnschädigung - bei Kindern unter zwölf Jahren nicht verwendet werden.

Manche Kinder- und Jugendärzte verordnen "Viburcol"-Zäpfchen. Sie enthalten Wirkstoffe der Kamille und lindern Begleitsymptome des Fiebers wie Unruhe, Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit. Einige Naturmediziner empfehlen zur Fiebersenkung auch kamillenhaltige Einläufe.

Viel Flüssigkeit geben

Kinder mit Fieber brauchen zudem viel Flüssigkeit, um das durch Schwitzen verlorene Wasser zu ersetzen. Zu Beginn des Fieberanstiegs frösteln viele Kinder und sollten mit einer Decke oder Wärmflasche warm gehalten werden.

Kühlung wird erst empfohlen, wenn sich nicht nur Gesicht und Stirn, sondern auch die Beine und der übrige Körper warm anfühlen. So sollten etwa Wadenwickel bei kalten Gliedern auf keinen Fall angewendet werden.

Wickel stets um beide Waden

Die Wickel müssen nicht kalt sein, betont die Stiftung: Es reicht völlig aus, wenn die Temperatur der Tücher zehn Grad unter der des Körpers liegt. Empfohlen wird dafür zimmerwarmes (22 Grad) oder sogar bis zu 30 Grad warmes Wasser.

Mit den Wickeln sollten stets beide Waden der Kinder getrennt eingepackt werden und die Tücher von den Fußgelenken bis kurz unter die Knie reichen. Sie sind alle fünf bis 15 Minuten zu erneuern, bis das Fieber um ein bis zwei Grad gesunken ist.

Abkühlungsbad kommt meist gut an

Die meisten fiebernden Kinder empfinden ein Abkühlungsbad als angenehm. Zu Beginn liegt dabei die Wassertemperatur etwa zwei Grad Celsius über der Körpertemperatur. Dann kaltes Wasser zulaufen lassen - so, dass die Temperatur innerhalb von zehn Minuten auf etwa 30 Grad sinkt.

Die Kinder sollten etwa sieben Minuten im abgekühlten Wasser bleiben. Auch Abwaschen der nackten Haut mit lauwarmem oder kühlem Wasser wird bei Fieber als angenehm empfunden.

Mehr zum Thema

Vernarbung und Fibrosierung

Interstitielle Lungenerkrankung: Die Nachwehen von COVID-19

Gemeinsamer Bundesausschuss

Zusatznutzen für mehrere Orphan Drugs

Das könnte Sie auch interessieren
Alarmierender Anstieg: Hautpilz aus dem Barbershop

© David Pereiras | iStock (Symboldbild mit Fotomodell)

Dermatomykosen

Alarmierender Anstieg: Hautpilz aus dem Barbershop

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Effektive Therapie von Nagelpilz: Canesten® EXTRA Nagelset

© Irina Tiumentseva | iStock

Onychomykosen

Effektive Therapie von Nagelpilz: Canesten® EXTRA Nagelset

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Für Menschen ab 60 Jahren sind die Impfungen gegen Influenza, Corona, Pneumokokken und Herpes zoster (beide nicht im Bild) Standard-Impfungen. Für Menschen ab 75 Jahren kommt die RSV-Impfung hinzu.

© angellodeco / stock.adobe.com

Respiratorisches Synzytial Virus

STIKO: Alle Menschen ab 75 gegen RSV impfen!

Blickdiagnose: klinisches Bild mit typischen Effloreszenzen bei Herpes zoster.

© Mumemories / Getty Images / iStock

Zoster-Impfung

Schutz vor Herpes zoster und Rezidiven

Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

© Oleh / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Abb. 2: ADA und nAb unter AVT05 und Referenz-Golimumab bis Woche 16

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Colitis ulcerosa

Das erste Golimumab-Biosimilar erweitert die Therapieoption bei entzündlichen Erkrankungen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Abb. 2: Infusionsschema der REGENCY-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Neue Therapieoption bei Lupus-Nephritis verfügbar

Obinutuzumab verbessert Nierenoutcomes bei Lupus-Nephritis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Pharma AG, Grenzach-Wyhlen
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Vernarbung und Fibrosierung

Interstitielle Lungenerkrankung: Die Nachwehen von COVID-19

Infektionsgeschehen

Höhepunkt der Grippewelle wohl überschritten

Lesetipps
Brustkrebs Symbolbild

© Sebastian Kaulitzki / stock.adobe.com

Risikoadaptiert und individualisiert behandeln

Frühes Mammakarzinom: So optimieren Sie die Therapie

Kooperation | In Kooperation mit: Deutscher Krebsgesellschaft und Stiftung Deutsche Krebshilfe
Eine Ärztin spricht mit einer Patientin.

© Siphosethu F / peopleimages.com / Stock.adobe.com

Krebsprävention durch Kommunikation

Zu Krebs halten sich Mythen und Irrtümer hartnäckig – Aufklärung tut not

Kooperation | In Kooperation mit: Deutscher Krebsgesellschaft und Stiftung Deutsche Krebshilfe
Drei Operateure in einem Operationssaal.

© Robert Kneschke / stock.adobe.com

Krebskongress

Tumorchirurgie: Geschlecht zählt auf beiden Seiten des Skalpells

Kooperation | In Kooperation mit: Deutscher Krebsgesellschaft und Stiftung Deutsche Krebshilfe