Ärzte Zeitung, 07.03.2012

MRSA häufig aus der Massentierhaltung

NEU-ISENBURG (cben/eis). Wer Milch oder Eier direkt beim Erzeuger auf einem Bauernhof kauft, hat ein erhöhtes Risiko für eine Besiedlung mit Methycillin-resistenten Staph. aureus (MRSA). Das sagte Dr. Betty Bisdorff von der Uniklinik München im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung".

Bisdorff und ihre Kollegen haben in vier niedersächsischen Orten mit Massentierhaltung festgestellt: Etwa jeder vierte Landwirt, der Schweine oder Geflügel züchtet, ist mit MRSA besiedelt, ebenso einige Nachbarn, die bei den betroffenen Höfen Lebensmittel kauften (Epidemiology and Infection 2011; online 12. Dezember).

Das Risiko für Landwirte sei bereits aus anderen Studien bekannt, etwa aus Holland, sagt Bisdorff.

Die Tendenz der Münchener Ergebnisse bestätigt auch Dr. Jörg Hermann, Hygieniker am Krankenhaus Oldenburg.

"Wir haben gerade eine Woche lang Patienten aus der Ems-Dollart-Region getestet und festgestellt, dass von den rund 2,5 Prozent mit MRSA-Keimen besiedelten Patienten 20 bis 22 Prozent tierassoziierte Keime trugen. In Süddeutschland beträgt dieser Wert nur ein bis zwei Prozent."

Nach Aussagen Hermanns sind 80 Prozent der Massenmast-Betriebe "durchseucht", 86 Prozent der Landwirte dieser Betriebe sind mit MRSA besiedelt und vier bis sieben Prozent von den Angehörigen der Landwirte.

"Aber 100 Prozent der Tierärzte!" Ab 1. April werden auch in Niedersachsen bestimmte Risikogruppen vor dem Klinikaufenthalt getestet, darunter die Landwirte.

[09.03.2012, 21:32:47]
Dr. Horst Grünwoldt 
Durchseuchung
Tierhalter (Landwirte u.a.) kommen im Laufe der Zeit mit einer vielfältigen Bakterien-Flora in Kontakt, die meistens nicht humanpathogen ist und angeblich sogar die Ursache sein soll, für weniger Allergiker in dieser Personengruppe.
Potentiell krankmachende Keime für Menschen, die auf/in tierischen Verarbeitungs- Produkten wie Fleisch, Eiern oder Milch manchmal bakteriologisch festgestellt werden, sind oftmals humanen Ursprungs und als "verschleppt" anzusehen.
Sie dürften ganz selten auf eine Resistenzbildung der animalischen Bakterien-Population wg. Antibiotikum-Mißbrauch zurückzuführen sein, wie dies seit einiger Zeit populistisch verbreitet wird.
Selbst bei der selten heute noch festgestellten Rinder-Tuberkulose, wird/wurde fast immer das humane Mykobakterium tuberculosis isoliert.
Die merkwürdigen Ergebnisse und Interpretation der Untersuchungen von Dr. Bisdorff/ München und seines Co-Workers Dr. Hermann/ Oldenburg sind kritisch zu sehen.
Dabei dürfte eigentlich die Kontamination ("Durchseuchung") der sog. "Massenmast-Betriebe" (Haltung von großen Tierzahlen) mit Erregern menschlichen Ursprungs, wie MRSA, wegen der geringeren Human-Kontakte kleiner sein, als bei tierhaltenden Betrieben mit intensiven Betreuer-Kontakten sowie auch antibiotischen Einzeltierbehandlungen.
Nunmehr werden Verbraucher sogar vor dem Ab-Hof-Verkauf gewarnt, obwohl dort in der Milchkammer stets angezeigt ist, das Produkt vor dem Verzehr abzukochen.
Wenn angeblich beinahe 90 Prozent der (tierhaltenden) Landwirte vom multi-resistenten Staphylokokkus "besiedelt" sein sollen, wie kommt es dann, daß von den mitarbeitenden Familien-Angehörigen nur jeder zehnte Träger des MRSA-Bakteriums ist? Da dürfte die Statistik nicht stimmen!
Meine Tierarztkollegen sollen gemäß dieser fragwürdigen Studie sogar 100%ig "durchseucht" sein. Ist das etwa die Ursache für ihre geringe Infektanfälligkeit in Folge einer "stillen Feiung"?
Dr. med. vet. Horst Grünwoldt (FTA für Hygiene und Mikrobiologie), Rostock zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

"Digitalisierung lässt sich nicht klein hoffen"

Die Digitalisierung lässt sich nicht aufhalten, die Ärzte sollten sich daher aktiv daran beteiligen, appellierte der Blogger Sascha Lobo auf dem Ärztetag. mehr »

Alle wichtigen Videos vom Ärztetag

Digitalisierung, Angst vor Veränderung, Wunschminister: Die Ärztezeitung fasst für Sie die wichtigen Themen des Ärztetags in kurzen Videos zusammen. mehr »

Massive Technik-Pannen behindern Ärztetag

Nicht einsehbare Anträge, verschobene Abstimmungen: Technische Probleme machen Delegierten und Journalisten gestern unmd heute auf dem Ärztetag arg zu schaffen. mehr »