Ärzte Zeitung, 15.04.2012

Urin-Diagnostik bei dickem Knie

WIESBADEN (gvg). Einseitige Arthritiden entstehen oft reaktiv als Folge bakterieller Infektionen. Ein Blick in den Urin hilft in diesen Fällen zwar nicht dem Gelenk, aber mitunter den Patienten.

Urin-Diagnostik bei dickem Knie

Den Urin zu untersuchen lohnt sich: .

© Rob Byron / fotolia.com

Reaktive Arthritiden werden in unseren Breiten vor allem durch Salmonellen, Yersinien und Chlamydia trachomatis verursacht. Da die Arthritis oft Wochen bis Monate nach der Infektion auftritt, macht eine Erregerdiagnostik in der Regel keinen Sinn.

Doch es gibt zwei Ausnahmen: "Bei einer postenteritischen Arthritis sollte dann und nur dann eine Erregerdiagnostik im Stuhl erfolgen, wenn die Diarrhoe fortbesteht", sagte Professor Lars Köhler von der Rheumatologischen Gemeinschaftspraxis Hannover beim Internistenkongress in Wiesbaden.

Die zweite Ausnahme ist die Urindiagnostik auf Chlamydia trachomatis, die immer dann erfolgen sollte, wenn auch nur die leiseste Möglichkeit einer Urethritis als auslösender Infektion besteht.

Bei Chlamydien im Urien: Patient und Partner behandeln

Der Grund ist, dass die sexuell übertragbare Chlamydien-Urethritis zur Persistenz neigt und unangenehme Folgen wie etwa Infertilität haben kann.

Werden Chlamydien im Urin gefunden, sollten Patient und jeweiliger Partner behandelt werden, entweder mit Azithromycin 1000 mg einmalig oder zehn Tage lang mit zweimal 100 mg Doxycyclin täglich.

Damit ist die Sache dann auch erledigt. Das geschwollene Gelenk freilich lässt sich dadurch nicht beeindrucken.

Es braucht seine Zeit und heilt oft von selbst. Auch monatelange Antibiotikatherapien haben in den meisten Studien bei reaktiver Arthritis bisher nicht überzeugt.

[16.04.2012, 22:18:56]
Dr. Bernhard Rosenkranz 
reaktive Arthritis
Es sind nicht nur die Chlamydien im Urogenitaltrakt. Ich darf aus eigener Erfahrung darauf hinweisen, dass okkulte Prostata-infektionen mit Ureaplasmen reaktive Mono-Arthritiden auslösen können. Der Nachweis gelingt dann nur durch einen Urethralabstrich morgens vor dem ersten Wasserlassen und nach 14 Tagen Antibiose ist der Spuk vorbei. zum Beitrag »
[16.04.2012, 07:15:23]
Dr. Christian Schulze 
Borrelien PCR als Goldstandard
Die Punktion des Knies und die zeitnahe Borrelien-PCR sichert den direkten Nachweis von Borrelien-DNA und ist sicher der zielführendste Ansatz, wenn es eine Borreliose ist! Erregernachweis am Ort des Geschehens! zum Beitrag »
[15.04.2012, 19:02:21]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Einseitige, reaktive Arthritiden?
Bedaure, aber das mit der "Urinprobe bei dickem Knie" neben anderen Untersuchungen ist mir zu populistisch und nicht zielführend genug. Einseitige (atypische) Arthritiden reaktiv als Folge bakterieller Infektionen sind leider nicht nur Chlamydien, Salmonellen oder Yersinien bedingt als Ausdruck postenteritischer und/oder periurethritischer Arthritis.

Klinisch bedeutsame Campylobacter jejuni, C. coli und C. fetus Infektionen, letztere bei sehr jungen und sehr alten Patienten, sind ebenso zu beachten, wie die Arthritis bei Zustand nach Zecken(Ixodes rhicinus)-bedingten Borrelien-Infektionen. Ich stimme zu, dass der direkte Erregernachweis (CYSE) im Stuhl häufig frustran und nur bei persistierender Diarrhoe erfolgversprechend ist. Aber ein spezifischer und differenzierter IGM-IGG-IGA-Antikörper Nachweis i. S. bringt möglicherweise auch spät nach abgelaufener Enteritis die richtige Spur.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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