Kongress, 08.04.2013

Tiermodelle

An kleinen Mäusen sieht alles groß aus

WIESBADEN. Sepsis, Immunologie und Entzündung sind große Themen des Internistenkongresses. Doch vor einigen Wochen wurde die Gemeinschaft der Entzündungsforscher durch eine große Analyse im Journal "PNAS" verunsichert.

Sie zeigte, dass es zwischen Menschen und Mäusen nur eine ziemlich armselige Korrelation hinsichtlich der Reaktionen auf Entzündungsreize gibt. Entwertet diese Beobachtung große Teile der immunologischen Forschung der letzten Jahre?

"Wir sind schon alle etwas irritiert und fragen uns, ob die Modelle in der Grundlagenforschung wirklich geeignet für klinische Fragestellungen sind", gab Professor Frank Martin Brunkhorst, Jena, zu.

Er wies aber darauf hin, dass die sehr schlechte Korrelation zwischen Mensch und Modell bei Inflammationsmodellen nicht einfach auf onkologische oder kardiovaskuläre Modelle übertragen werden könne.

Professor Hendrik Schulze-Koops, München, gab sich gelassener: "Die Erkenntnis, dass die Maus kein Mensch auf vier Beinen ist, ist nicht neu." Andere Tiermodelle seien nicht zwangsläufig besser.

So habe in England ein Antikörper für die immunologische Therapie, der bei Primaten unproblematisch war, in einer klinischen Pilotstudie zu schwersten Komplikationen geführt. Näher am Mensch ist also nicht automatisch besser. (gvg)

[08.04.2013, 15:01:28]
Dr. Horst Grünwoldt 
Tiermodelle - Modelltiere?
Ein gesundes Tier ist gewiß kein Modell für irgend etwas, sondern ein individuelles, komplexes Lebewesen.
Während der mehrjährigen, amtlichen Überwachung von Tierversuchen in forschenden Einrichtungen der Pharmaindustrie und zahlreichen, experimentellen Universitäts-Instituten nach den Bestimmungen des Tierschutzgesetzes, bin ich zu der Erkenntnis gekommen, daß es unsinnig ist, bei Wesen anderer Art "Krankheits-Modelle" durch artifizielle Organschädigungen zu erzeugen, die bei der fremden Spezies gar nicht vorkommen.
Selbst die Traumatologen/ Unfallchirurgen haben tagtäglich die (traurige) Möglichkeit, am menschlichen Patientengut ihre Fertigkeiten zu vervollkommnen.
Der klassische Ganztier-Versuch hat für mich heute nur noch eine Teilbedeutung und ethische Vertretbarkeit für systemisch-toxikologische Untersuchungen beim Medikamenten- Prä-Screening an verschiedenen Tierarten, und ausnahmsweise auch als Infektions-Versuch.
Wenngleich der organische Aufbau des Immunsystems sich bei allen Säugetierarten gleicht, so ist deren Funktion doch speziesabhängig sehr unterschiedlich.
Beispielsweise hat die Laborratte, im Gegensatz zur Labormaus, ein extrem gut ausgebildetes zelluläres Abwehrsystem. Dies dürfte wohl -trotz der vielen Generationen von Inzucht-Stämmen- immer noch ein zytogenetisches Erbe der Wildform "rattus norvegicus" (dt. der Wanderratte) sein.
Entsprechend wird ein "Entzündungs-Versuch" bei jeder Tierart andere Auswirkungen haben. Das Gleiche dürfte auch für Immunisierungen gelten.
Dr. med. vet. Horst Grünwoldt, Rostock
 zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Körperlich aktive Kinder werden seltener depressiv

Bewegen sich Kinder viel, entwickeln sie in den kommenden Jahren seltener depressive Symptome. Viel körperliche Aktivität könnte daher präventiv wirken. mehr »

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Star Trek und die Ethik der Medizin

Ärztliche Fortbildung sind immer dröge Veranstaltungen? Eine Veranstaltung in Frankfurt ist der medizinethischen Wertewelt von Raumschiff Enterprise auf den Grund gegangen - und zeigt, was Ärzte aus der Serie lernen können. mehr »