Ärzte Zeitung App, 10.03.2014

Antibiotika-Prophylaxe

Fünf-Punkte-Plan gegen Wundinfektionen

Um die Zahl der Wundinfektionen zu senken, aber gleichzeitig unnötigen Antibiotikagebrauch zu verhindern, haben Experten einen Fünf-Punkte-Plan aufgestellt. Der Plan soll auf dem 131. Chirurgenkongress in Berlin vorgestellt werden.

BERLIN. Bei bis zu zwanzig Prozent aller Patienten, die im Bauchraum operiert werden, treten Wundinfekte auf.

Um diese Anzahl zu verringern, hat die Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) einen Fünf-Punkte-Plan zum Umgang mit Antibiotika vor und nach operativen Eingriffen entwickelt.

An erster Stelle dieses Leitfadens steht die Auswahl eines geeigneten Antibiotikums in korrekter Dosierung, wird in einer Mitteilung der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) betont.

"Eine interdisziplinäre Gruppe erstellt dazu eine Liste mit Empfehlungen", erklärt Professor Stefan Maier, Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie am Klinikum Kaufbeuren.

Die Liste berücksichtigt, welche Erreger bereits Resistenzen gegen Antibiotika entwickelt haben. Die Liste soll aber auch aufzählen, welche Eingriffe - wie etwa Schilddrüsen-Operationen - ohne Antibiotika erfolgen können.

Wer soll das Medikament geben? Punkt zwei des Prophylaxe-Plans legt fest: Es ist Aufgabe der Anästhesie, das Antibiotikum zu verabreichen.

Diese Regelung soll damit drittens sicherstellen, dass die Prophylaxe zuverlässig sechzig bis dreißig Minuten vor dem Eingriff erfolgt. "Das ist der optimale Zeitpunkt", so DGCH-Experte Maier.

Antibiotika nach der Op sind in der Regel nicht nötig

Dauert die Operation voraussichtlich nicht länger als drei Stunden, ist diese einmalige Gabe ("single shot") ausreichend. "Nur bei längerer Operation oder starkem Blutverlust sollte das Antibiotikum während des Eingriffs erneut gegeben werden", erklärt Maier.

Auf diese Regel Nummer vier folgt der letzte Punkt des Leitfadens, wonach eine Gabe von Antiinfektiva über die Operation hinaus unbedingt unterbleiben sollte. Es sei unnütz, nach der Operation weiterhin vorbeugend Antibiotika zu verabreichen.

Durch diesen unnötigen Gebrauch werde die Entstehung und Verbreitung lebensgefährlicher Krankenhausinfektionen gefördert - es entwickeln sich multiresistente Krankenhauskeime.

Auch kann eine unnötig lange Antibiotikatherapie das Gleichgewicht der Darmflora stören - mit der Folge, dass sich Erreger ausbreiten und schwere Darminfektionen auslösen. (eb)

Weitere Infos zum Chirurgenkongress unter www.chirurgie2014.de.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

So schädlich fürs Herz wie Cholesterin

Depressionen steigern bei Männern das Risiko fürs Herz ähnlich stark wie hohe Cholesterinwerte oder Fettleibigkeit. Das ergab eine aktuelle Analyse der KORA-Studie. mehr »

Den Berg im eigenen Tempo erklimmen

Medizinstudentin Solveig Mosthaf fühlt sich im Studium manchmal, als würde sie einen steilen Berg hinauf kraxeln. Sie wünscht sich mehr Planungsfreiheit – und die Möglichkeit, eigene Wege zu gehen. mehr »

Positive HPV-Serologie bringt bessere Prognose

Bei Patienten mit Kopf-Hals-Tumor ist eine positive HPV-16-Serologie mit einem verbesserten Überleben assoziiert. Das bestätigt jetzt eine US-Studie. Demnach liegt die Wahrscheinlichkeit für ein Fünf-Jahres-Überleben sogar 67 Prozent höher. mehr »