Ärzte Zeitung online, 19.01.2015

Pakistan

Erster Polio-Fall des Jahres bestätigt

Nach einem Höchststand neuer Polio-Erkrankungen im vergangenen Jahr hat Pakistan nun den ersten Fall von Kinderlähmung für 2015 bestätigt.

ISLAMABAD. Opfer der ersten Polio-Erkrankung in Pakistan in diesem Jahr sei ein Kind aus der Provinz Khyber Pakhtunkhwa im Nordwesten des Landes, sagte Gesundheitsministerin Saira Afzal Tarar.

2014 war die Zahl der registrierten Polio-Fälle in Pakistan nach Angaben von Hilfsorganisationen auf 303 hochgeschnellt, von 93 im Vorjahr.

Die weitaus meisten Erkrankungen traten in der Nordwest-Provinz auf, die an Afghanistan grenzt. Weltweit erkrankten im vorigen Jahr 385 Menschen an Kinderlähmung.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) versucht seit Jahren, Polio weltweit auszurotten.

Nur in Pakistan und Afghanistan steigen Erkrankungszahlen

Die einzigen beiden Länder, in denen die Erkrankung 2014 zunahm, sind laut WHO Pakistan und Afghanistan, wo in dem Zeitraum 82 Fälle auftraten - nach 13 im Vorjahr.

Pakistan führt den drastischen Anstieg der Erkrankungen auf Aktionen der islamistischen Taliban-Kämpfer zurück.

Diese hätten demnach allein in den vergangenen zwei Jahren fast zwei Dutzend Mitarbeiter von Impfkampagnen oder begleitende Sicherheitskräfte getötet.

Sie werfen den Helfern unter anderem Spionage für die USA vor - insbesondere nach Gerüchten, der US-Geheimdienst CIA habe eine fingierte Impfkampagne genutzt, um den Aufenthaltsort von Al-Kaida-Chef Osama bin Laden zu ermitteln.

Dieser war 2011 von US-Soldaten in Abbottabad getötet worden.

Am Samstag traf eine Delegation der Melinda-und-Bill-Gates-Stiftung Vertreter der Provinz Khyber Pakhtunkhwa, um die Impfkampagne wiederaufzunehmen, die wegen Drohungen der Taliban mehrmals verschoben worden war.

Ziel ist es, in der Provinzhauptstadt Peschawar Hunderttausende Kinder vor Polio zu schützen. "Wir werden weitere Schritte einleiten um sicherzustellen, dass alle Kinder künftig geimpft werden", sagte der Gesundheitsminister der Provinz, Shahram Tarakai. (dpa)

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