Ärzte Zeitung, 23.07.2015

Verbreitung in Brasilien

Zika-Viren nutzten Fußball-WM aus

Von Aedes-Mücken übertragene Erreger breiten sich weltweit aus. Nach Dengue- und Chikungunya-Viren haben nun Zika-Viren den amerikanischen Kontinent erreicht.

Zika-Viren nutzten Fußball-WM

Mit den Aedes-Überträgermücken breiten sich auch Dengue-, Chikungunya- und Zika-Viren aus.

© Henrik Larsson / fotolia.com

DÜSSELDORF. Das Zika-Virus gilt als der "kleine Bruder" des Dengue-Virus. Bislang kam es vor allem im tropischen Afrika, in Südostasien und auf pazifischen Inseln vor.

Im Frühjahr 2015 wurden erstmals in Brasilien - und damit zum ersten Mal auf dem amerikanischen Kontinent - Infektionen mit dem Zika-Virus registriert.

Bis Anfang Juli kam es landesweit zu 40 labordiagnostisch bestätigten Erkrankungen, berichtet das CRM Centrum für Reisemedizin in einer Mitteilung.

Das Zika-Virus wird von Stechmücken der Gattung Aedes übertragen. Diese Insekten übertragen auch Erreger des Dengue- und Chikungunya-Fiebers. Die Erkrankungen haben sich in den vergangenen Jahren weltweit stark verbreitet.

"Erkrankungen werden zunehmen"

Das für Brasilien neue Zika-Virus wurde bisher überwiegend in den nördlichen und nordöstlichen Bundesstaaten des Landes nachgewiesen.

"Vermutlich wurde der Erreger während der Fußball-WM 2014 importiert", so Professor Tomas Jelinek, Wissenschaftlicher Leiter des CRM. "Weil die Überträgermücke in der Region angesiedelt ist, ist es wahrscheinlich, dass die Erkrankungszahlen weiter zunehmen werden."

Ebenso wie Dengue-Viren gehören Zika-Viren zu der Gattung der Flaviviren. Charakteristisch für eine Infektion sind ein makulopapulöses Exanthem, begleitet von Fieber, Kopf- und Gelenkschmerzen sowie eine Konjunktivitis.

Die Erkrankung ähnelt in ihren Symptomen dem Dengue- und dem Chikungunya-Fieber, verläuft aber deutlich milder, mitunter auch unbemerkt.

Komplizierte Verläufe sind bei Infektionen mit dem Zika-Virus selten, Todesfälle nicht bekannt. "Gerade weil die Aedes-Überträgermücken auch andere Erkrankungenwie Dengue- und Chikungunya-Fieber verbreiten, sollten Reisende auf konsequenten Mückenschutz achten - nicht nur in Südamerika, sondern in allen tropischen und subtropischen Regionen", betont Jelinek.

Impfstoffe gegen Dengue-, Chikungunya- oder Zika-Viren gibt es bisher nicht. Um Mücken fernzuhalten, wird Reisenden empfohlen, helle und möglichst geschlossene Kleidung zu tragen und freie Hautstellen mit Repellents zu schützen.

Für Aufenthalte in den Tropen und Subtropen empfiehlt das CRM Mittel mit dem Wirkstoff DEET in einer Konzentration ab 30 Prozent.

Chikungunya seit 2013 in Amerika

Insbesondere Dengue- und Chikungunya-Fieber haben in den vergangenen Jahren weltweit deutlich zugenommen. Grund dafür ist, dass die Überträgermücken der Gattung Aedes sich geografisch stark ausbreiten. Dengue-Fieber tritt in fast allen Ländern der Tropen und Subtropen regelmäßig auf, auch in Südeuropa kommt es immer wieder zu einzelnen kleinen Ausbrüchen.

Eine Untersuchung von 2013 kommt zu dem Ergebnis, dass sich jedes Jahr weltweit etwa 390 Millionen Menschen mit Dengue-Viren infizieren und etwa 96 Millionen an Dengue-Fieber erkranken (Nature 2013; 496: 504-507).

Auch Chikungunya-Viren waren viele Jahre überwiegend auf Asien und Afrika beschränkt. Im Dezember 2013 gelang dem Virus der Sprung über den Atlantik. Auf mehreren karibischen Inseln registrierten die Behörden Übertragungen.

Seither breitet sich das Virus in Süd- und Mittelamerika rasant aus: Bis Anfang Juli 2015 sind laut Pan American Health Organization (PAHO) rund 1,5 Millionen Verdachtsfälle und etwa 36.000 bestätigte Fälle von Chikungunya-Fieber aufgetreten. (eb/eis)

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