Ärzte Zeitung, 19.01.2016

Zika-Virus

Schwangere sollten nicht nach Brasilien reisen

In Brasilien treten gehäuft Mikroenzephalien bei Säuglingen auf. Die Fehlbildungen werden auf Infektionen mit Zika-Viren während der Schwangerschaft zurückgeführt. Ärzte raten Schwangeren daher vor Reisen in Länder mit den Infektionen ab.

Von Wolfgang Geissel

Schwangere sollten nicht nach Brasilien reisen

Aedes-Mücke bei der Blutmahlzeit: Die Zika-Virus-Überträger sind tag- und dämmerungsaktiv.

© CDC / Prof. Frank Hadley Collins

NEU-ISENBURG. Infektionen mit den von Mücken übertragenen Zika-Viren wurden Anfang 2015 erstmals in Brasilien registriert; das waren die ersten Erkrankungen auf dem südamerikanischen Festland überhaupt.

Brasilien ist zwar am stärksten betroffen, das Virus hat sich jedoch auch in andere Länder Lateinamerikas ausgebreitet: Kolumbien, El Salvador, Französisch- Guayana, Guatemala, Haiti, Honduras, Martinique, Mexiko, Panama, Puerto Rico, Paraguay, Suriname und Venezuela und Puerto Rico melden ebenfalls Fälle.

Charakteristisch für eine Erkrankung ist das Auftreten eines knotig-fleckigen Hautausschlages, begleitet von Fieber, Kopf- und Gelenkschmerzen sowie einer Bindehautentzündung, so das CRM Centrum für Reisemedizin in einer Mitteilung. Eine Schutzimpfung gibt es nicht.

Parallel kommen in Brasilien, schwerpunktmäßig im Nordosten des Landes, seit Mitte 2015 vermehrt Kinder mit Mikroenzephalie zur Welt. Die Säuglinge haben dabei einen verminderten Kopfumfang. Die Folgen sind unterschiedlich stark ausgeprägte geistige Behinderungen.

Ursache von Mikroenzephalie können genetische Defekte oder fruchtschädigende Einflüsse während der Schwangerschaft sein, etwa Alkoholmissbrauch oder auch Infektionen bei der Mutter.

3530 Verdachtsfälle von Mikroenzephalie

"Die brasilianischen Behörden haben einen Zusammenhang zwischen dem Zika-Virus-Ausbruch und den Fehlbildungen bei Neugeborenen bestätigt", wird Professor Tomas Jelinek, Wissenschaftlicher Leiter des CRM Centrum für Reisemedizin, in der Mitteilung zitiert.

"Wie die Erkrankungen genau zusammenhängen wird derzeit untersucht und auch mögliche andere Ursachen der Fehlbildungen müssen ausgeschlossen werden."

In den Jahren 2010 bis 2014 wurden in Brasilien jährlich zwischen 150 und 200 Kinder mit Mikroenzephalie geboren. Aktuell vermeldet das brasilianische Gesundheitsministerium 3530 Verdachtsfälle von Mikroenzephalie im Zusammenhang mit dem vor knapp einem Jahr begonnenen Zika-Ausbruch.

Experten vermuten, dass die Fehlbildungen Folge einer Zika-Virus- Infektion der Mutter im ersten oder zweiten Trimester der Schwangerschaft sind.

Derzeit untersuchen die Behörden auch einen Zusammenhang zwischen dem Zika-Virus-Ausbruch und Fällen von Guillian-Barré-Syndrom (GBS). Insgesamt ist das Zika-Virus noch wenig erforscht und in vielen Aspekten noch nicht vollständig verstanden.

Sorgfältigen Mückenschutz beachten

"Wir empfehlen Schwangeren und Frauen mit Kinderwunsch - also mit einer möglichen Schwangerschaft - derzeit von nicht notwendigen Reisen in Gebiete mit aktuellen Zika-Virus-Ausbrüchen abzusehen", betont Jelinek.

Ist ein Aufenthalt unvermeidbar, sollten Reisende sorgfältigen Mückenschutz beachten. Auch die US-Seuchenbehörde rät Schwangeren von Reisen nach Brasilien und in die anderen lateinamerikanischen Länder mit möglichen Zika-Virus-Übertragungen ab.

Inzwischen hat es nach Presseberichten auch einen ersten Verdachtsfall von Hirnschädigungen durch Zika-Viren bei einem Säugling in den USA gegeben. Das Kind war in Oahu auf Hawaii geboren worden; die Mutter hatte sich die Infektion wahrscheinlich im vergangenen Mai bei einem Brasilien-Aufenthalt zugezogen.

Da keine Impfung gegen das Virus existiert, ist der Schutz vor Überträgermücken und deren Bekämpfung die einzige mögliche Prävention. Reisende in die betroffenen Regionen sollten sich sorgfältig vor Stichen schützen.

Die Überträger des Virus, Stechmücken der Gattung Aedes, sind tagsüber und in der Dämmerung aktiv. Die Mücken übertragen auch Dengue- und Chikungunya-Fieber.

Zu empfehlen sind körperbedeckende Kleidung und Mückenschutzmittel mit dem Wirkstoff DEET in einer Konzentration von über 30 Prozent.

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