Ärzte Zeitung, 05.02.2016

Zika-Virus

Infizierte wohl wochenlang ansteckend

Eine Zika-Infektion ist im Blut nur für kurze Zeit nachweisbar - im Sperma und Urin womöglich etwas länger. Damit es zu keiner Ansteckung kommt, raten Experten auch zu "safer sex".

Von Wolfgang Geissel

Infizierte wohl wochenlang ansteckend

Ein Zika-Patient in Kolumbien mit Hautausschlag.

© Hans Ringhofer / picturedesk.com

NEU-ISENBURG. Zika-Viren stehen im Verdacht, Mikrozephalien bei Kindern im Mutterleib auszulösen. In der Regel werden die Viren dabei durch Gelbfiebermücken (Aedes aegypti) übertragen.

Da beim Feten die neuronale Entwicklung zwischen der 8. und 15. Schwangerschaftswoche stattfindet, ist davon auszugehen, dass Zika-Virus-Infektionen insbesondere in diesen Wochen entsprechende Schädigungen auslösen könnten, so die Gesellschaft für Virologie (GfV) in einer Stellungnahme.

Solange der Zusammenhang der Infektion mit diesen schweren fetalen Schäden nicht auszuschließen ist, ist Schwangeren zumindest im ersten Trimenon von einer Reise in Länder mit Zika-Virus-Ausbrüchen abzuraten.

Ist eine Reise unaufschiebbar, sollte eine gute Expositionsprophylaxe (etwa Repellentien, Kleidung, Insektengitter) zur Vermeidung von Stichen durch die tag- und dämmerungsaktiven Überträgermücken erfolgen.

Viren gibt es im Sperma wochenlang

Eine Infektionsgefahr für Schwangere könnte aber auch durch sexuellen Kontakt bestehen, und zwar auch, wenn bei einem infizierten Partner die akuten Symptome schon abgeklungen sind.

Anders als im Blut könne das Virus in Sperma, aber auch in Urin in einigen Fällen über mehrere Wochen feststellbar und damit ansteckend sein, sagte der Tropenmediziner Professor Thomas Löscher von der Universität München der Deutschen Presse-Agentur.

"Neu ist der Nachweis im Urin auch für die Diagnostik", sagte Löscher. "Vieles ist aber noch nicht klar."

Wegen der Möglichkeit einer Übertragung mittels Sperma von akut infizierten Männern rät Professor Susanne Modrow von der Universität Regensburg in einer GfV-Mitteilung.

"Reiserückkehrer aus Endemiegebieten, bei denen eine akute Zika-Virus-Infektion nicht ausgeschlossen werden kann, können sicherheitshalber für einen Zeitraum von drei bis vier Wochen Kondome verwenden - egal ob beim Partner eine Schwangerschaft vorliegt oder nicht."

Schwierigkeiten bereitet nämlich die Diagnose der frischen Infektion. Diese gelingt in der Regel durch Nachweis der viralen RNA im Blut.

"Nach unserem jetzigen Kenntnisstand ist dieser zuverlässige Nachweis allerdings nur in den ersten Erkrankungstagen regelmäßig möglich, etwas länger offenbar im Urin", so Professor Thomas Mertens vom Universitätsklinikum Ulm in der GfV-Mitteilung.

Dieser Nachweis des Virus-Erbguts könne derzeit zudem nur in spezialisierten Laboratorien erfolgen, betont der GfV-Präsident.

Vier Wochen kein Blut spenden!

Zwar steht seit Kurzem ein Testsystem zur Verfügung, um Zika-spezifische Antikörper aufzuspüren, die auch nach Beendigung der Infektion lange im Blut zirkulieren und zum Nachweis einer zuvor durchgemachten Infektion dienen könnten.

"Dieses neue System ist aber noch nicht abschließend evaluiert und erlaubt noch keine sichere Diagnose", berichtet Mertens in der Mitteilung weiter.

Gedanken machen sich die Experten auch über die Sicherheit von Blutkonserven. Nach einer durchgemachten Zika-Infektion darf laut Tropenmediziner Löscher wie beim Denguefieber mindestens vier Wochen kein Blut gespendet werden.

Nach Reisen ins Ausland haben Spender zudem Wartezeiten: bei Rückkehr aus Lateinamerika mindestens vier Wochen, aus Malariagebieten sechs Monate.

Aktionsplan für Mittelamerika

Die Staaten Zentralamerikas wollen mit einem Aktionsplan das Zika-Virus bekämpfen. Darauf einigten sich die Minister aus ganz Zentralamerika einschließlich Belize und Panama.

Ziel sei es, Schwangere besser vor einer Infektion zu schützen, erklärte der guatemaltekische Gesundheitsminister, Alfonso Cabrera am Mittwoch.

Eine der vordringlichsten Maßnahmen sei das Ausräuchern der Brutstätten von Moskitos, die das Virus übertragen können. Auch einige Länder in Asien bekämpfen die Moskitos.

Unterdessen rief der US-Staat Florida wegen des Auftretens des Zika-Virus in vier Counties den medizinischen Notstand aus. Zuvor wurden neun Fälle mit Zika-Viren in Florida von Auslandsreisenden bekannt.

Auch Länder in Südostasien machen sich Sorgen wegen der Zika-Virus-Ausbreitung. So wurde in Kambodschas Hauptstadt Phnom Penh ein Mückenbekämpfungsprogramm gestartet. Ähnliche Einsätze gibt es in Thailand, Malaysia und Singapur.

Am Montag hatte die WHO wegen der raschen Verbreitung von Zika in Amerika einen globalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. (mit Material von dpa)

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