Ärzte Zeitung online, 15.02.2016

Zika

Mehr Reisende bringen Viren mit

Die Zahl der Zika-Fälle in Deutschland nimmt zu - und auch Russland meldet eine erste Infektion. Meist sind es Rückkehrer von Südamerika-Reisen.

HAMBURG/MOSKAU. Bislang haben 20 Menschen das Zika-Virus von Lateinamerika nach Deutschland eingeschleppt. Das teilte das Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) mit.

In Deutschland seien keine schwangeren Frauen unter den Infizierten. "Natürlich rechnen wir, wie bei jeder Epidemie in Reiseländern, mit steigenden Fallzahlen bei Reiserückkehrern", wird Privatdozent Dennis Tappe vom BNITM in einer Mitteilung zitiert. Auch in Russland wurde erstmals eine Infektion bei einer Reiserückkehrerin festgestellt.

Die Frau habe das Virus von einem Besuch der Dominikanischen Republik mitgebracht, meldet die russische Verbraucherschutzbehörde. Die Patientin liege im Krankenhaus, ihr Zustand sei zufriedenstellend. Nach ihrer Rückkehr habe sie über Fieber und Hautausschlag geklagt.

Rasante Ausbreitung

In den vergangenen Monaten hat sich das Zika-Virus rasant in Lateinamerika ausgebreitet. Dass das Zika-Virus hier eine so explosionsartige Infektionswelle ausgelöst hat, liegt wohl vor allem daran, dass die übertragende Stechmücke dort ganzjährig vorkommt und auf eine noch nicht immunisierte Bevölkerung trifft.

Allein in Brasilien schätzen die Behörden die Zahl der Infektionen auf 500.000 bis 1,5 Millionen. Dort wurde kürzlich - wie berichtet - ein Großeinsatz gegen das Virus gestartet: Rund 220.000 Soldaten verteilten Informationszettel zur Moskitobekämpfung.

Als nächster Schritt sollen Moskitos und Eiablageplätze mit Insektiziden eliminiert werden.

Infektionen in über 40 Ländern

Viele Zika-Infektionen bleiben unerkannt, da die grippeähnlichen Symptome meist eher harmlos sind, oft erkranken Infizierte gar nicht. Eine Gefahr könnte die Infektion für Schwangere darstellen.

Das Virus steht im Verdacht, Mikrozephalie bei Ungeborenen zu verursachen. Mikrozephalie kann aber auch andere Ursachen haben, etwa Röteln in der Schwangerschaft.

Bisher sind nach Angaben der WHO in rund 40 Ländern Zika-Infektionen aufgetreten. (dpa)

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