Ärzte Zeitung, 08.04.2016

Unerwünschte Reisemitbringsel

Der Parasit in meinem Bett

Immer mehr Fernreisende bringen Wanzen, Würmer und andere Parasiten als unerwünschte Reisesouvenirs aus dem Urlaub mit. Auf dem Vormarsch ist vor allem ein lästiges Krabbeltier.

Von Philipp Grätzel von Grätz

Der Parasit in meinem Bett

Juckt's nach dem Urlaub? Dann könnten Bettwanzen, Flöhe oder andere Parasiten dahinterstecken, die immer mehr Fernreisende aus dem Urlaub mitbringen.

© abdone / iStock / Thinkstock

BERLIN. Die Gründe für die zunehmenden Probleme mit parasitären Erkrankungen seien vielfältig, betonte Dr. Karolina Bauer-Dubau vom Berliner Centrum für Reise- und Tropenmedizin.

Die global zunehmende Reisetätigkeit, ob privat, beruflich oder politisch erzwungen, trägt dazu bei. Auch dass Insektizide heute eher seltener eingesetzt werden und in manchen Kreisen eine geringe Akzeptanz haben, macht es vielen Parasiten leichter.

Bettwanzen oft spät bemerkt

Am deutlichsten wird das bei den Bettwanzen, die weltweit auf dem Vormarsch sind. "Bettwanzen haben sich zu einem klassischen Urlaubssouvenir entwickelt", so Bauer-Dubau bei einer Veranstaltung zum 17. Forum Reisen und Gesundheit in Berlin.

Hauptproblem bei den Bettwanzen ist, dass sie oft erst spät bemerkt werden: Ein einzelnes begattetes Weibchen reicht aus, um zu Hause über Wochen und Monate langsam einen Befall aufzubauen.

Irgendwann fällt den Betroffenen dann auf, dass sie häufig juckende Rötungen, Petechien oder Quaddeln haben. In Einzelfällen können schwere anaphylaktische Reaktionen auftreten.

Anders als bei den Kopfläusen ist es bei den Bettwanzen mit einer sorgfältigen Reinigung der Betten nicht getan. In der Regel muss der Kammerjäger ran, und nicht selten müssen auch die Matratzen ausgetauscht werden.

Von Reisen mitgebrachte Bettwanzen können also ziemlich ins Geld gehen. Allein in Berlin machten insgesamt 1580 Haushalte im Jahr 2014 diese Erfahrung, doppelt so viele wie ein Jahr zuvor und sieben Mal so viele wie noch 2007.

Auf keinen Fall selbst behandeln

Die Methoden, die bei der Wanzenbekämpfung zum Einsatz kommen, variieren je nach Ausmaß und Lokalisation des Befalls. Am häufigsten eingesetzt werden Insektizide und Wärmeentwesungen, bei denen die Luft auf 55 Grad hochgeheizt wird.

"Auf gar keinen Fall sollten Betroffene versuchen, die Wanzen mit im Internet erhältlichen Insektiziden selbst zu behandeln", warnte Bauer-Dubau. Zum einen sehen Profis viel besser, an welchen Stellen Maßnahmen nötig sind.

Zum anderen drohen bei der Selbsttherapie Überdosierungen, die schlimmstenfalls mehr gesundheitliche Schäden verursachen als die Wanzen selbst.

Besser als die Wanzenbekämpfung ist natürlich die Prävention. Ein Blick ins Hotelbett kann helfen, um gegebenenfalls ein neues Zimmer zu verlangen oder in ein anderes Hotel zu gehen. Typisch sind stecknadelkopfgroße Kottröpfchen im oder neben dem Bett, an Steckdosen, Lampen oder auf dem Nachttisch.

"Das gibt es in einfachen und in gehobenen Unterkünften gleichermaßen", so Bauer-Dubau. Auch das Gepäck nicht direkt neben das Bett zu stellen, ist sinnvoll, weil dann die Wahrscheinlichkeit sinkt, dass Wanzen hineinkriechen und exportiert werden.

Krätzmilbeninfektion oft verkannt

Was ebenfalls zunehme, seien von Reisen mitgebrachte Krätzmilbeninfektionen, betonte die Expertin vom Berliner Centrum für Reise- und Tropenmedizin. Die sind, anders als die Wanzen, klar mit schlechter Hygiene assoziiert und an sich gut behandelbar. Auch sie werden aber häufig erst spät diagnostiziert.

Die typischen Milbengänge sind als Folge des Kratzens und wegen falscher Therapien nicht immer sichtbar. Häufig werden Krätzepatienten zuerst mit antiallergischen Cremes oder Salben gegen Neurodermitis behandelt.

Nicht zwangsläufig auf dem Vormarsch, aber doch ein wiederkehrendes Problem sind Sandflöhe und Hakenwürmer. Sandflöhe sind besonders in Lateinamerika, der Karibik und südlich der Sahara verbreitet.

Sie siedeln gerne unter den Zehennägeln und in den Zehenzwischenräumen. Typisch sind bis knapp erbsengroße "Ballons", die warzenähnlich aussehen und Hunderte von Eiern enthalten. Sie müssen in der Regel chirurgisch entfernt werden.

Hakenwürmer, die ebenfalls in Lateinamerika und in der Karibik sowie auch in Malaysia vorkommen, verschwinden dagegen von selbst, nachdem sie maximal einige Wochen lang als "Larva migrans" bei ihrer Wanderung durchs Unterhautfettgewebe ein unangenehmes Jucken verursacht haben.

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