Ärzte Zeitung, 31.05.2016

Mononukleose

Summe der Hinweise ergibt die Diagnose

Neben den Halsschmerzen liefern bei der klinischen Untersuchung Petechien am Gaumen den stärksten Hinweis auf eine infektiöse Mononukleose. Am stärksten gegen diese Diagnose spricht die Abwesenheit geschwollener Lymphknoten.

Von Christine Starostzik

Summe der Hinweise ergibt die Diagnose

Sind die Lymphknoten geschwollen? Ein diagnostisches Muss bei Patienten mit Halsschmerzen.

© Klaus Eppele / fotolia.com

ATLANTA. Bestehen bei Jugendlichen und Erwachsenen, die sich mit Halsschmerzen beim Arzt vorstellen, gleichzeitig Lymphknotenschwellungen, Gaumenpetechien, eine Splenomegalie, oder finden sich eine Lymphozytose oder vermehrt atypischen Lymphozyten, dann liegt der Verdacht auf eine infektiöse Mononukleose nahe. Etwa einer von 13 Patienten zwischen 16 und 20 Jahren, die mit Halsschmerzen in die Sprechstunde kommen, hat eine infektiöse Mononukleose (Pfeiffersches Drüsenfieber).

Mittels eines systematischen Reviews von Publikationen aus den Jahren 1945 bis 2015 haben Mark Ebell von der Universität Georgia, Atlanta, und Kollegen die Zuverlässigkeit von klinischer Diagnostik und Laboranalysen untersucht (JAMA 2016; 315:1502). Hierzu sondierten sie 670 Studien und werteten schließlich elf von ihnen mit Daten von insgesamt 4769 Patienten aus.

Grundsätzlich sollten Halsschmerzpatienten nach Beginn und Dauer der Beschwerden sowie Symptomen wie Fieber, Schüttelfrost, Schwitzen, Myalgien und Müdigkeit befragt werden, die nicht durch Schlafmangel oder bestimmte Tätigkeiten erklärbar sind. Bei Mononukleose können die Beschwerden sechs Monate oder länger anhalten. Hilfreich ist auch die Frage nach dem Kontakt mit einer Person, bei der aktuell ein Pfeiffersches Drüsenfieber diagnostiziert wurde.

Bei der körperlichen Untersuchung fallen Lymphdrüsenschwellungen, eventuell ein virales Exanthem sowie gegebenenfalls eine vergrößerte Milz oder Leber auf. Im Blutbild zeigen sich neben einer Lymphozytose vermehrt atypische und unreife Lymphozyten.

Innerhalb der analysierten Studien lieferten neben den Halsschmerzen bei der klinischen Untersuchung Petechien am Gaumen den stärksten Hinweis auf das Vorliegen einer infektiösen Mononukleose (Spezifität 0,95; positiver Wahrscheinlichkeitsquotient, LR 5,3). Häufig kam es auch zu einer Schwellung der hinteren Zervikallymphknoten (Spezifität 0,87; LR 3,1) und der Achsel- oder Leistenlymphknoten (Spezifität 0,82-0,91; LR 3,0-3,1). Bei 7-53 Prozent der Patienten lag eine Splenomegalie vor, die LR wurde allerdings nur in zwei der Studien ermittelt (Spezifität 0,71-0,99; LR 1,9-6,6).

Als verdächtig erwies sich eine Gesamtlymphozytenzahl ≥4 x 109/l, ganz besonders bei Jugendlichen ab 18 Jahren (LR 26 vs. 5,6 bei den Unter-18-Jährigen). War der Anteil atypischer Lymphozyten erhöht, entsprach dies ebenfalls einer höheren Erkrankungswahrscheinlichkeit: ≥ 10 Prozent: LR 11; ≥20 Prozent: LR 26; ≥ 40 Prozent: LR 50. Ausgesprochen wegweisend (LR 54) war auch eine Lymphozytose mit ≥ 50 Prozent Lymphozyten und ≥ 10 Prozent atypischen Lymphos.

Halsschmerz und Müdigkeit erwiesen sich zwar als sensitiv, aber als unspezifisch. Ohne Hals- oder Kopfschmerzen sank die Wahrscheinlichkeit für eine Mononukleose (LR 0,51-0,62 bzw. 0,63-0,73). Am stärksten gegen diese Diagnose sprach die Abwesenheit von Lymphknotenschwellungen (LR 0,23-0,44).

Eine große prospektive Studie mit zahlreichen Patienten, die sich innerhalb von sieben Tagen nach Beginn der Halsschmerzen vorstellen, so Ebell und Kollegen, könnte dazu beitragen, die Ergebnisse der aus den unterschiedlichen Studien zusammengetragenen Daten zu bestätigen.

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