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Weltfrühgeborenentag

Bei der Anzahl der Frühchen sieht Deutschland alt aus

Deutschland hat eine der höchsten Frühgeburtenraten in Europa. Dabei können die Risikofaktoren günstig beeinflusst werden, erinnert die Stiftung Kindergesundheit aus Anlass der Weltfrühgeborenentags am 17. November.

Anne BäurleVon Anne Bäurle Veröffentlicht:
Ein Frühchen wird untersucht: Laut Bundesverband "Das frühgeborene Kind" wurden letztes Jahr 66.851 Kinder vor der 37. Schwangerschaftswoche geboren.

Ein Frühchen wird untersucht: Laut Bundesverband "Das frühgeborene Kind" wurden letztes Jahr 66.851 Kinder vor der 37. Schwangerschaftswoche geboren.

© Rubberball / Getty Images / iStock

Im Jahr 2016 wurden nach Angaben des Bundesverbands "Das frühgeborene Kind" in Deutschland 66.851 Kinder vor der 37. Schwangerschaftswoche geboren – das entspricht einer Frühgeborenen-Rate von 8,6 Prozent, eine der höchsten in ganz Europa.

Rund 11.000 der Frühchen kamen dabei sogar vor der 32. Schwangerschaftswoche auf die Welt, was einem Anteil von zehn Prozent aller zu früh geborenen Kinder entspricht.

Beeinflussbare Risikofaktoren

Zwar sind die Überlebenschancen von Frühchen dank neonataler Intensivmedizin in den letzten Jahren deutlich gestiegen; selbst Kinder, die mit weniger als 1000 Gramm auf die Welt kommen, überleben zu mehr als 80 Prozent, wenn sie in gut ausgestatteten Perinatalzentren betreut werden.

Dennoch könnten einige der Risikofaktoren durch das Verhalten der Schwangeren günstig beeinflusst werden, bemerkt die Stiftung Kindergesundheit aus Anlass des Weltfrühgeborenentags.

Dazu gehörten neben bekannten Faktoren wie Alkohol und Drogen, Rauchen während der Schwangerschaft, Übergewicht, späte Schwangerschaft und vorausgegangene Frühgeburt auch bisweilen weniger bekannte Faktoren:

  • Infektionen im Mundbereich: Schwangere mit Entzündungen des Zahnfleisches und des Zahnbettes haben ein etwa viermal höheres Risiko für eine Frühgeburt. In einer Studie wurde die Frühgeburtenrate durch eine gezielte Behandlung um 68 bis 84 Prozent reduziert.
  • Migrationshintergrund: Schwangere aus Krisenländern haben der Kindergesundheitsstudie KiGGS zufolge ein höheres Risiko, ein Kind zu früh auf die Welt zu bringen – und das auch noch nach jahrelangem Aufenthalt in Deutschland.
  • Assistierte Reproduktion: Da durch eine In-vitro-Fertilisation, bei der meist mehr als eine befruchtete Eizelle in den Uterus eingesetzt werden, auch das Risiko für Mehrlingsschwangerschaften steigt, erhöht sich auch das Risiko von Frühgeburten um 40 bis 60 Prozent.
  • Infektionen: Besonders riskant können Infektionen der Harnwege sein. Durch frühe Behandlung der Infektion könne das Risiko von Frühgeburten um 40 Prozent reduziert werden.

Einige Frühchen zeigen später motorische und kognitive Einschränkungen sowie Verhaltensauffälligkeiten. So habe eine im Jahr 2004 initiierte Studie aus Niedersachsen ergeben, dass bei der Nachuntersuchung von zu früh Geborenen im Alter von fünf Jahren 14,1 Prozent der Kinder geistig und 17,4 körperlich behindert waren, berichtet der Bundesverband "Das frühgeborene Kind".

33,1 Prozent der Kinder wiesen Verhaltensauffälligkeiten auf, bei 40,4 Prozent zeigten sich sprachliche Auffälligkeiten.

Gerade bei sehr kleinen Frühgeborenen sei daher ein erhöhtes Augenmerk erforderlich. Der Bundesverband fordert, dass vor allem Kinder mit einem Geburtsgewicht von weniger als 1500 Gramm engmaschig von Pädiatern und Entwicklungsexperten bis zum Schuleintritt nachuntersucht werden, um ihnen möglichst früh Therapieangebote zu machen.

Noch immer würden viele Kinder erst dann therapeutisch gefördert, wenn sie beispielsweise im Schulalltag mit defizitären Leistungen auffällig werden, obwohl die entsprechenden Anzeichen für Einschränkungen oder Auffälligkeiten bereits deutlich früher hätten erkannt werden können.

Kein Unterschied bei Lebensqualität

Trotz allem wachsen die meisten Frühchen in ihrem späteren Leben zu gesunden jungen Menschen heran, erinnert die Stiftung Kindergesundheit. So habe eine Analyse aus Deutschland ergeben, dass bei Frühgeborenen der Jahrgänge 1987 bis 2004 im Alter von neun Jahren im Vergleich mit reifgeborenen Kindern kein Unterschied in der Lebensqualität nachzuweisen war.

Auch gebe es keinen Grund für die Befürchtung vieler Eltern, ihr Frühgeborenes bleibe auch im Kindes- und Erwachsenenalter kleiner als reif geborne Kinder. Zwar seien mit acht Jahren meist noch Wachstumsdefizite erkennbar, in der Endgröße unterscheiden sich Frühgeborene allerdings nicht mehr von Kindern, die reif auf die Welt kommen.

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