Direkt zum Inhaltsbereich

Immunschwäche

Weniger Infekte mit Vitamin D

Menschen mit Abwehrschwäche nützt offenbar Vitamin D in hohen Dosen. Die Prophylaxe beugt Atemwegsinfekten vor und senkte den Antibiotikaverbrauch - zumindest in einer Studie.

Von Dr. Elke Oberhofer Veröffentlicht:
Nicht nur gut für Haut und Knochen, sondern auch als Erkältungsprophylaxe: Vitamin D.

Nicht nur gut für Haut und Knochen, sondern auch als Erkältungsprophylaxe: Vitamin D.

© photos.com

STOCKHOLM. Zur Prophylaxe von Erkältungskrankheiten haben schwedische Forscher der Karolinska-Universitätsklinik in Stockholm 140 immundefiziente Erwachsene ein Jahr lang mit 4000 IU Vitamin D pro Tag oder Placebo behandelt (BMJ open 2012, online 13. Dezember).

Als primärer Endpunkt diente ein zusammengesetzter Score mit fünf Parametern: Symptome der Atemwege, Ohren und Nebenhöhlen, Krankheitsgefühl und Einnahme von Antibiotika.

Jeder Parameter brachte einen Punkt pro Tag; eine Pneumonie schlug mit drei Zusatzpunkten täglich über eine Woche zu Buche. Dieser über zwölf Monate ermittelte Gesamtscore konnte durch die Hochdosistherapie im Vergleich zur Placebogruppe um nahezu ein Viertel gesenkt werden.

So verringerte sich der Wert für den einzelnen Patienten bei regelmäßiger Einnahme der Vitamintropfen um durchschnittlich 47 Punkte (202 gegenüber 249 Punkten).

Sehr hohe Erwartungen nicht erfüllt

Die Forscher um Dr. Peter Bergman hatten zwar eine Reduktion um mindestens 70 Punkte erwartet, zeigten sich von dem Ergebnis aber nicht sehr enttäuscht: "Wir glauben, dass auch ein geringerer Effekt für den einzelnen Patienten relevant sein könnte."

Das Ergebnis bedeute schließlich beispielsweise 47 Tage weniger Husten oder auch 23 Tage weniger Augen- und Nebenhöhlensymptome (23 x 2 = 46 Punkte) oder neun Tage weniger, an denen der Patient zugleich unter Husten, Sinus- und Ohrsymptomen leidet, sich schlapp fühlt und Antibiotika einnimmt (9 x 5 = 45).

Zum Vergleich: Die Patienten der Placebogruppe brauchten an 33 Tagen ein Antibiotikum, die Vitamingruppe nur an 16 Tagen. Damit war der Antibiotikaverbrauch um etwa 60 Prozent gesunken. Bergman sah hierin auch ein Potenzial, Resistenzen zu vermeiden, vor allem bei Patienten mit geschwächtem Immunsystem.

Auf diese beschränkt sich auch die Aussagekraft der Studie: "Es gibt keinerlei Hinweis darauf, dass Vitamin D ansonsten gesunden Menschen mit ganz normalen, vorübergehenden Atemwegsinfektionen von Nutzen sein könnte", betonen die Forscher. Genau das hat vor kurzem eine neuseeländische Studie belegt (JAMA 2012; 308: 1333).

Hier hatte die Einnahme von Vitamin D - verabreicht als monatlicher Bolus mit 100.000 IU über eineinhalb Jahre - keinerlei Auswirkung auf Häufigkeit und Schwere viraler Atemwegserkrankungen bei ansonsten gesunden Teilnehmern.

Nach Bergman empfiehlt es sich ohnehin, bei häufigen Infekten zunächst einmal den Vitamin-D-Spiegel zu bestimmen. Dieser sollte bei mindestens 20 Nanogramm pro Milliliter liegen. Die Supplementierung habe nur dann einen Sinn, wenn der Wert deutlich erniedrigt sei.

In Deutschland gehen Experten davon aus, dass bis zu 60 Prozent der Bevölkerung einen Vitamin-D-Mangel aufweisen. Außer der erhöhten Infektanfälligkeit werden als mögliche Folgen eine Erhöhung des Darmkrebsrisikos sowie des Risikos für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Stoffwechselerkrankungen und Autoimmunerkrankungen diskutiert.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Hoffen auf Synthese?

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Metaanalyse

Atemwegsviren auch bei nichtakutem Asthma häufig nachweisbar

Das könnte Sie auch interessieren
Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

© EAU

Ergänzung EAU-Leitlinie 2026

Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

© Domepitipat | iStock

Lebensqualität zurückgewinnen

Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Thailandpilz, Tierkontakt & Nagelpilz

© Iuliia Petrovskaia | iStock

Dermatophyten-Infektionen

Thailandpilz, Tierkontakt & Nagelpilz

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

© robertprzybysz | iStock

Persistierende Onychomykosen

Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema

Opioid-induzierte Obstipation

Paradigmenwechsel in der Behandlung: Vom Stuhl zum Nervensystem

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Grünenthal GmbH, Aachen
Abb. 1: Die kardiorenalmetabolische Organachse: ganzheitliche Versorgung durch interdisziplinäre Zusammenarbeit (Quelle: Michalopoulou E et al., J Clin Med 2025, 14:428)

© Springer Medizin Verlag

Biomarker gegen Diabetes-Folgen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Diagnostics Deutschland GmbH, Mannheim
Porträt: xxx

© Porträt: Alexander Sahi

„ÄrzteTag extra“-Podcast

Testosteronmangel: Worauf es in der Hausarztpraxis ankommt

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Besins Healthcare Germany GmbH, Berlin
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Therapie je nach Risiko

Akute Lungenembolie: Was die optimale Therapie ausmacht

Prävalenz-Vergleich der Kreise

Auffällig hoher Anteil an multimorbiden Menschen in Ostdeutschland

Lesetipps