Ärzte Zeitung, 23.01.2013

Rhinoviren

Gefahr vor allem im Januar

Rhinoviren sind bei Erkältungen alte Bekannte. Doch welche Serotypen sorgen wann für wirklich schwere Verläufe? US-Pädiater haben darauf jetzt eine Antwort gesucht.

Von Thomas Müller

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Mag den Januar: Rhinovirus.

© shutterstock

MADISON. Gegen Erkältungen ist bekanntlich kaum ein Kraut gewachsen, was schlicht auch daran liegt, dass die Zahl der Virenstämme, die sich in den oberen Atemwegen wohlfühlen und für Husten, Schnupfen und Heiserkeit sorgen, in die Hunderte geht. An eine spezifische Therapie ist daher kaum zu denken.

US-Pädiater haben sich nun die Mühe gemacht, knapp 1500 Nasalproben aus einer Kohorte von über 200 Säuglingen auf einzelne Stämme von humanen Rhinoviren (HRV) zu testen (J Respir Crit Care Med 2012: 186: 886).

HR-Viren lösen jede zweite Erkältung aus. Die Pädiater wollten damit herausfinden, ob von den etwa 160 bekannten HRV-Serotypen einige bei schweren Infekten dominieren - denn dann würde es sich lohnen, zumindest gegen solche Virentypen spezifische Therapien zu entwickeln - oder ob es andere Faktoren gibt, die schwere Infekte begünstigen.

Für die Studie wurden die Kinder im ersten Lebensjahr regelmäßig untersucht, dabei entnahmen die Ärzte Nasalschleim. Zusätzlich sollten die Eltern die Kinder ins Studienzentrum bringen, sobald eine Atemwegsinfektion auftrat.

Etwa die Hälfte der Proben stammte daher von klinisch unauffälligen Kindern, die übrigen von erkälteten. Die Schwere der Erkrankung erfassten die Eltern anhand eines Fragebogens.

Auf A- und B-Serotypen konzentrieren

In knapp 700 der Proben (48%) konnten die Forscher HRV nachweisen. Die Rhinoviren fanden sich damit bei drei von vier Babys mit Virusnachweis. Insgesamt spürten die Pädiater 93 verschiedene Serotypen auf.

46 Serotypen zählten zu HRV-A, 9 zu HRV-B und 35 zu den C-Stämmen. 339 moderat bis schwere sowie 196 leichte Infektionen mit HRV-Beteiligung wurden registriert. Hochgerechnet ergab sich, dass sich jedes Baby im Schnitt zwölfmal im Jahr mit HRV infizierte.

Schwere Infekte wurden jeweils achtmal häufiger durch HRV-A und HRV-C als durch HRV-B ausgelöst.

Zwar traten die Rhinovireninfekte vor allem im Herbst und Frühjahr auf, im Dezember und Januar war die Wahrscheinlichkeit, dass die Infektion schwerwiegend verlief, jedoch fünf-bis zehnmal höher als in anderen Monaten.

Bei der Entwicklung von Therapiestrategien sollte man sich vor allem auf HRV-A und -B konzentrieren, fordern die Studienautoren, da diese Stämme nicht nur am häufigsten eine Infektion auslösen, sondern auch über die höchste Virulenz verfügen.

In einem Kommentar zur Studie wird darauf hingewiesen, dass andere Untersuchungen zwar ebenfalls deutlich seltener HRV-B-Infekte bei Kindern nachweisen konnten als solche mit HRV-A und -C, allerdings verliefen die Infekte mit B-Viren oft ähnlich schwer wie mit anderen Virenstämmen.

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