Ärzte Zeitung, 23.01.2013

Fehlendes Wissen über Husten

Der überschätzte Patient

Mit den Leiden des Alltags kennen sich Patienten aus? Von wegen. Eine US-Studie zeigt: Viele Patienten unterschätzen bereits die Dauer eines normalen Erkältungshustens - und fordern dann unnötige Therapien.

Von Beate Schumacher

husten-tee-AH.jpg

Auch ein harmloser Erkältungshusten ist in der Regel nach fünf bis sieben Tagen noch nicht verschwunden.

© iStockphoto

ATHENS. Bis ein Erkältungshusten sich vollständig legt, vergehen bei ansonsten gesunden Erwachsenen üblicherweise zwei bis drei Wochen.

Die meisten Patienten glauben jedoch, dass der Husten schon nach fünf bis sieben Tagen verschwunden sein müsste. Auf diese Diskrepanz machen US-Ärzte aufmerksam (Ann Fam Med 2013; 11: 5).

Sie haben die durchschnittliche Dauer eines akuten Hustens bei einer unspezifischen Atemwegsinfektion in einer Metaanalyse ermittelt und mit der Erwartungshaltung von Patienten verglichen.

Für die Analyse wurden 19 Studien herangezogen. Verwendet wurden nur Daten von Patienten, deren akuter Husten nicht behandelt worden war und die keine chronische Erkrankung hatten.

Die mittlere Dauer des Hustens betrug 17,8 Tage. Etwas schneller erholten sich Patienten mit produktivem Husten, hier lag die mittlere Dauer bei 13,9 Tagen. Generell litten acht Tage nach Erkrankungsbeginn noch 86 bis 95 Prozent der Patienten an Hustenanfällen.

Unnötige Antibiotikaverordnungen?

Die Erwartung der Patienten wurde in einer Stichprobe von 497 Einwohnern des US-Staats Georgia erfragt. Je nachdem, ob der Husten produktiv oder unproduktiv und mit Fieber verbunden war oder nicht, hielten sie eine mittlere Dauer von 6,9 bis 9,3 Tage für normal.

Im Median betrug die geschätzte Dauer einer Hustenepisode fünf bis sieben Tage. In der Umfrage sollten die Patienten auch angeben, wie sie die Wirksamkeit von Antibiotika bei Erkältungshusten einschätzen.

Dabei zeigte sich, dass Personen mit geringerer Bildung und früheren Antibiotikaverordnungen eher überzeugt waren, dass Antibiotika in dieser Indikation "immer oder normalerweise helfen".

Die US-amerikanischen Ärzte vermuten, dass die Fehleinschätzungen der Patienten zu unnötigen Antibiotikaverordnungen führen können: "Wenn ein Patient davon ausgeht, dass ein akuter Husten sechs bis sieben Tage besteht, wird er nach fünf bis sechs Tagen einen Arzt aufsuchen und nach Antibiotika fragen."

Und: "Falls er dann ab Tag sieben ein Antibiotikum einnimmt, kann es sein, dass er sich drei bis vier Tage später besser fühlt und nach zehn Tagen gesund ist. Obwohl dies dem natürlichen Krankheitsverlauf entspricht, wird es den Patienten wahrscheinlich in seiner Meinung bestärken, das Antibiotikum habe gewirkt."

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Hustende erst mal aufklären

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Mehr Pneumonien unter Benzodiazepinen

Benzodiazepine sind bei Patienten, die an Morbus Alzheimer leiden, mit einer Häufung von Lungenentzündungen assoziiert. Für Z-Substanzen gilt das womöglich nicht. mehr »

Psychotherapie bei Borderline nur mäßig erfolgreich

Spezifische Psychotherapien sind bei Borderline-Patienten unterm Strich zwar wirksamer als unspezifische Behandlungen: Allerdings fällt die Bilanz in kontrollierten Studien eher mager aus. mehr »

KBV legt acht Punkte für eine Reformagenda vor

Rechtzeitig vor dem Bundestagswahlkampf und dem Start in eine neue Legislaturperiode hat die KBV ein Programm für eine moderne Gesundheitsversorgung vorgelegt. Was steht drin? mehr »