Ärzte Zeitung Extra, 01.12.2008

Geschlechtskrankheit diagnostiziert? HIV-Test anbieten!

Engagiert sich gegen HIV und Aids: Eisschnellläuferin Anni Friesinger.

Foto: Deutsche AIDS-Stiftung

Hausärzte haben bei der HIV-Prävention und -Früherkennung besondere Chancen: Sie haben den breitesten Patientenkontakt.

Aids scheint nicht mehr als Bedrohung wahrgenommen zu werden, Safer Sex gerät in Risikosituationen in Vergessenheit - es ist ein Gewöhnungseffekt eingetreten. Die Folge: Seit einigen Jahren steigt die Zahl der Neuinfektionen wieder: Allein von 2006 bis 2007 ist sie nach RKI-Angaben um vier Prozent von 2643 auf 2752 gestiegen - überproportional bei Männern, die Sex mit Männern haben. 20 bis 25 Prozent der Neuinfizierten sind aber Frauen.

Eine Ursache für den Anstieg ist, dass Sex ungeschützt erfolgt. Andererseits: Bei vielen sexuell Aktiven ist die Kondomnutzung gestiegen. Bei 16- bis 44-jährigen Alleinlebenden von 69 Prozent im Jahr 2004 auf 74 Prozent im vergangenen Jahr, so die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Doch vor allem bei Menschen mit häufig wechselnden Sexualpartnern scheint wieder Leichtsinn eingekehrt zu sein. So ist bei homosexuellen Männern um die 40 das Schutzverhalten weniger konsequent als noch vor einigen Jahren. Um dieser Präventionsmüdigkeit entgegenzuwirken, hat die BZgA die Kampagne "Mach's mit" verstärkt, um die Kondomnutzung wieder mehr ins Bewusstsein zu holen.

Ein Grund für den Anstieg der HIV-Rate trotz stabilen Schutzverhaltens ist die Zunahme von anderen sexuell übertragbaren Krankheiten (STD) wie Syphilis, Gonorrhoe oder Chlamydien-Infektionen. Bei STD-Patienten steigt die HIV-Übertragungswahrscheinlichkeit pro Sexualkontakt um ein Mehrfaches. Daher gilt: Bei jeder Diagnose einer STD sollte der Patient über das HIV-Risiko aufgeklärt und ihm ein HIV-Test empfohlen werden. Je früher eine HIV-Infektion erkannt wird, umso besser - für den Patienten selbst und seine sexuellen Partner.

Der heutige Welt-Aids-Tag ist eine gute Gelegenheit, Patienten in der Praxis auf das Thema anzusprechen. Doch auch andere Anlässe wie Impfungen oder reisemedizinische Beratung können Hausärzte nutzen und deutlich machen, dass Kondome einfach dazugehören. Denn Safer Sex ist und bleibt die Basis der Aids-Prävention. (ug)

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