Ärzte Zeitung online, 02.10.2014

US-Klinik

Ebola-Infektion zunächst nicht erkannt

Die Ebola-Infektion bei dem Erkrankten in den USA hätte wohl viel früher diagnostiziert werden können. Mitarbeiter einer Klinik in Dallas erkannten die ersten Symptome offenbar nicht - und schickten den Mann nach Hause. Freunde berichten davon, dass der Infizierte mit Dutzenden Menschen Kontakte hatte.

ATLANTA. Nach der ersten Ebola-Diagnose bei einem Patienten in den USA mehrt sich Kritik an dem Krankenhaus, in dem der schwer kranke Mann behandelt wird.

Wie Medien berichten, hat der Mann sich erstmals am 26. September mit Symptomen in das Texas Health Presbyterian Hospital begeben, war aber zunächst nicht auf Ebola hin untersucht und mit Medikamenten wieder nach Hause geschickt worden.

Das Onlineportal "Dallas News", dass der Mann einer Krankenschwester gesagt habe, dass er aus Afrika eingereist sei. Da er nur Fieber und Bauchschmerzen gehabt habe, hätten ihm die Mitarbeiter der Notaufnahme Antibiotika verabreicht und ihn nach Hause geschickt.

Die Information sei innerhalb des Krankenhauses nicht weitergegeben worden, zitierte die "New York Times" einen Vertreter des Krankenhauses.

Freunde berichten von einem geselligen Festessen

Erst als sein Neffe die US-Gesundheitsbehörde CDC kontaktiert habe, sei der Mann behandelt worden, berichtete der Sender NBC. Im Krankenhaus wurde er dann positiv auf Ebola getestet.

Der 42-Jährige hat womöglich Kontakt zu Dutzenden Menschen gehabt. Der Sender NBC berichtete von etwa 80 Leuten, die mit dem Fernfahrer zu tun hatten; darunter auch mehrere Kinder. Freunde berichteten der "Washington Posts", für den Liberianer sei ein Festessen gegeben worden - dabei sei er mit vielen Menschen in Kontakt gekommen.

Offiziell wird von "bis zu 18 Personens" gesprochen, darunter fünf Kindern im Schulalter. Die Kinder stünden zu Hause unter Beobachtung. Sie würden aber keinerlei Symptome zeigen.

Alle anderen Schüler ihrer Schule hätten einen Brief mitbekommen, der die Eltern über die Umstände informiere. Sie sollten auf Symptome achten, Grund zur Sorge gebe es aber nicht.

Der Ebola-Kranke war von Monrovia über Brüssel und Washington nach Dallas geflogen. Krankheitssymptome wurden aber erst in den USA festgestellt. Sein Zustand wird als ernst beschrieben.

Es ist weltweit der erste Fall, bei dem ein Mensch sich in Afrika mit Ebola infizierte und dann außerhalb des Kontinents erkrankte.

Die "New York Times" berichtete unter Berufung auf einen Nachbarn des Mannes, dass dieser in der liberianische Hauptstadt Monrovia einer infizierten Frau geholfen habe. Am 20. September flog er dann aus Liberia in die USA, um Verwandte zu besuchen.

Die Gefahr einer Ansteckung von anderen Fluggästen ist nach Einschätzung des Bundesverbandes der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD) aber "sehr gering". Jedenfalls solange der oder die Infizierte sich noch in der Inkubationszeit von bis zu 21 Tagen befindet.

WHO: Zahl der Neuinfektionen sinkt

Unterdessen sieht die Weltgesundheitsorganisation (WHO) leichte Anzeichen für eine Besserung der Ebola-Situation in Westafrika.

In den drei am stärksten betroffenen Ländern Guinea, Liberia und Sierra Leone sei die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen die zweite Woche in Folge gesunken, teilte die Organisation in Genf mit.

Grund für den Rückgang sei in erster Linie Monrovia. In der vergangenen Woche sei in der Hauptstadt Liberias keine einzige Neuerkrankung gemeldet worden. Allerdings würden nicht alle Infektionen den Behörden mitgeteilt, hieß es weiter.

Mindestens 1500 Dosen eines experimentellen Ebola-Impfstoffes sollen Anfang 2015 für medizinisches Personal und andere Helfer in Westafrika eingesetzt werden. Kanada spendete der WHO die Substanz, die erstmals in den nächsten Tagen in den USA an gesunden Probanden getestet werden soll. Tests mit einem zweiten erfolgsversprechenden Impfstoff laufen bereits seit September in den USA und Großbritannien .

Erster UN-Mitarbeiter an Ebola gestorben

Erstmals ist ein Mitarbeiter der Vereinten Nationen (UN) an Ebola gestorben. Der Mann sei bereits in der vergangenen Woche in Liberia einer Krankheit erlegen, sagte ein UN-Sprecher am Mittwoch in New York.

"Auch wenn die letzten Testergebnisse noch ausstehen, gehen wir davon aus, dass es Ebola war", sagte der Sprecher.

Es handele sich nicht um einen ausländischen Helfer, sondern einen liberianischen UN-Mitarbeiter. (dpa)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Im Sushi war der Wurm drin

Der Hinweis aufs Sushi brachte die Ärzte auf die richtige Spur. Statt den Patienten wegen Verdachts auf akutes Abdomen zu operieren, führten sie eine Gastroskopie durch. mehr »

Alle wichtigen Videos vom Ärztetag

Digitalisierung, Angst vor Veränderung, Wunschminister: Die Ärztezeitung fasst für Sie die wichtigen Themen des Ärztetags in kurzen Videos zusammen. mehr »

Importierte Infektionen führen leicht zu Diagnosefehlern

Wann muss ein Arzt für eine Fehldiagnose gerade stehen? In einem aktuellen Fall entschied das Oberlandesgericht Frankfurt gegen einen Arzt. mehr »