Ärzte Zeitung online, 27.10.2014

Ebola

"In Liberia ist die Lage wie im Krieg"

In Monrovia könnte sich die Zahl der Kranken alle zwei Wochen verdoppeln, befürchtet ein zurückgekehrter Arzt. In den USA ist ein heftiger Streit um eine Zwangsquarantäne für Ebola-Helfer entbrannt.

"In Liberia ist die Lage wie im Krieg"

Ein Offizier spricht mit Dorfbewohnern über den Aufbau einer Ebola-Station.

© Craig Philbrick/dpa

MONROVIA/NEW YORK. In Liberia sei die Situation dramatisch, berichtete der Würzburger Arzt Klemens Ochel. Er war im Auftrag des Missionsärztlichen Instituts und des Hilfswerks Misereor in die Hauptstadt Monrovia gereist, um dort in katholischen Gesundheitszentren den Bedarf an Hilfsmaterial zu ermitteln.

Die Lage sei wie im Krieg oder nach einem Erdbeben. "Monrovia ist derzeit das Epizentrum der Krankheit", sagte Ochel.

Die WHO hat weltweit mehr als 10.000 Ebola-Infizierte registriert. Die Zahl der Todesfälle stieg auf knapp 5000. Das sind aber nur die offiziellen Zahlen, es wird mit einer hohen Dunkelziffer gerechnet.

Allein für Liberia meldete die WHO in ihrem jüngsten Bericht 4665 Infizierte - mehr als in jedem anderen Land. Und die Zahlen waren zudem alt. Schon rund eine Woche hatte das Gesundheitsministerium des Landes keine neuen Daten mehr geliefert.

1500 Kranke in Monrovia

Der Weg des Ebola-Virus

Die Ebola-Epidemie in Westafrika sorgt für Tausende infizierte Menschen - und Tausende Tote. Der Ausbruch geht auf ein zweijähriges Mädchen zurück. Zur Chronologie des Ausbruchs.

Es gebe es ein Missverhältnis zwischen den niedrigen Zahlen, die vom offiziellen Kliniküberwachungssystem gemeldet werden, und Berichten von Laboren und medizinischen Ersthelfern, die von einer hohen Zahl neuer Fälle sprechen, bestätigt Ochel.

Die Krankheit breite sich schnell in Richtung Osten und Elfenbeinküste aus. "Monrovia allein zählt heute 1500 Krankheitsfälle. Wenn nichts unternommen wird, verdoppelt sich die Zahl alle zwei Wochen."

Viele aus den medizinisch schlecht versorgten Dörfern strömten nach Monrovia. "Da viele von ihnen mittellos sind, leben sie in Slums." Und dort könne sich das Virus ungehemmt ausbreiten.

Die Aufklärung vor allem über Hygiene oder Umgang mit Toten sei enorm wichtig. Andernfalls stecke ein Erkrankter in der Regel zwei bis vier Menschen an. Zum Teil sei diese Erkenntnis schon angekommen: Beim Einkaufen auf Märkten versuchten die Menschen, sich nicht zu berühren.

"Als einmal auf der Straße ein Kranker zusammenbrach, bildete sich ein großer Kreis um ihn mit fünf Metern Abstand. Niemand wollte helfen, man rief die Ambulanz, die in Schutzanzügen kam."

Indes verkündete Australien, vorübergehend keine Einreisevisa für Menschen aus Sierra Leone, Liberia und Guinea auszustellen. Das sagte Einwanderungsminister Scott Morrison.

Ziel sei es, einer Ausbreitung der Seuche in Australien vorzubeugen. Bereits bewilligte, aber noch nicht zugestellte Visa wurden gestrichen. Menschen mit Dauervisum müssen 21 Tage in Quarantäne verbringen, bevor sie in Australien einreisen dürfen.

Streit um Zwangsquarantäne in USA

In den USA ist ein heftiger Streit um eine dreiwöchige Zwangsquarantäne für Ebola-Ärzte und Helfer ausgebrochen, die aus Westafrika zurückkehren. Sie war von den Bundesstaaten New York und New Jersey angeordnet worden.

Zuvor waren Besorgnisse laut geworden, dass eine solche Isolation Ärzte und Pfleger davon abhalten könnte, Ebola-Kranken in Westafrika dringend nötige Hilfe zu leisten.

Die zuständigen Gouverneuren Cuomo und Christie verteidigten ihre Maßnahmen damit, dass die Regeln auf Bundesebene nicht ausreichten. Die Vorschriften gelten für Personen, die auf dem Flughafen JFK oder dem Newark Liberty International Airport landen. Die Bundesstaaten Illinois und Florida wollen dem Beispiel folgen.

Die Regierung hat große Bedenken gegen diese Maßnahmen und dies Cuomo und Christie mitgeteilt. Daraufhin wurden die Regeln gelockert: Menschen ohne Symptome können zu Hause in Quarantäne bleiben und sie erhalten eine Entschädigung für entgangenes Einkommen.

Die Bedenken Obamas spiegelten sich auch in einer Mitteilung des Weißen Hauses nach einem Treffen des Präsidenten mit seinen Beratern in der Ebola-Krise am Sonntag wider.

Demnach betonte Obama, dass zu treffende Maßnahmen für rückkehrende Helfer auf der Basis bester medizinischer Erkenntnisse erfolgen müssten.

Er habe aber auch die Notwendigkeit unterstrichen, in Betracht zu ziehen, dass die Helfer ein "unerlässliches Element" bei der Bekämpfung der Krankheit an deren Wurzel seien. Maßnahmen sollten daher so getroffen werden, "dass sie diese Helfer nicht unnötig von ihrem Dienst abschrecken".

Erkranktes Kind in Mali gestorben

Die US-Krankenschwester Kaci Hickox, die nach ihrem Einsatz in Sierra Leone in New Jersey gelandet war, will ihre Zwangsquarantäne gerichtlich anfechten. Sie sei stundenlang verhört und dann in einem Zelt untergebracht worden, schilderte sie dem Sender CNN. Dort soll sie 21 Tage ausharren, obwohl zwei Bluttests ergaben, dass sie frei von Ebola ist.

Belgien stellt für Lufttransporte von Medikamenten, Material und Nahrungsmitteln nach Westafrikas weitere 2,5 Millionen Euro zur Verfügung. Sie sollen an die Vereinten Nationen fließen.

Damit stockt das belgische Ministerium für Entwicklungshilfe die bisherigen sieben Millionen Euro Hilfsgelder weiter auf.

Unterdessen ist bekannt geworden, dass ein zweijähriges Kind in Mali an Ebola gestorben ist. Das Kind war am Mittwoch in ein Krankenhaus gekommen.

Es war die erste Ebola-Infektion in Mali. Das Mädchen war nach Medienberichten zuvor im Nachbarland Guinea gewesen, das stark von der Seuche betroffen ist. Die Eltern waren beide an Ebola gestorben. (dpa)

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