Ärzte Zeitung online, 03.11.2014

Ebola-Epidemie

So wurde Ebola in Nigeria gestoppt

Am 20. Oktober 2014 hat die Weltgesundheitsorganisation WHO das afrikanische Land Nigeria offiziell für Ebola-frei erklärt. Was in der Flut der Seuchenmeldungen beinahe unterging, ist einer effektiven Krisenintervention zu verdanken.

Von Angela Speth

So ist es gelungen, Ebola in Nigeria zu stoppen

Ein effektives Krisenmanagement hat dazu beigetragen, die Ebola-Epidemie in Nigeria rasch einzudämmen.

© dpa

WIEN. Die 21-Millionen-Metropole Lagos mit ihren Slums scheint wie geschaffen als Nährboden für die Ausbreitung von Seuchen wie Ebola. Als im Sommer ein Fluggast mit Ebola-Verdacht einreiste, herrschte daher Alarmstufe rot.

Wie es mit vereinten Kräften gelang, einen größeren Ausbruch zu verhindern, schilderte Professor Oyewale Tomori, Präsident der Nigerian Academy of Science, auf einer Internationalen Konferenz in Wien, Titel: "Übertragung, Prävention und Dokumentation neu auftretender Infektionskrankheiten".

Am 20. Juli landet ein Ebola-Patient in Nigerias Hauptstadt

Auf den Tag genau drei Monate vor der Erfolgsmeldung, am 20 Juli 2014, war ein akut erkrankter Patient auf dem internationalen Flughafen von Nigerias Hauptstadt Lagos gelandet.

Am 17. Juli hatte er sich noch mit Fieber und typischen Symptomen in einer Klinik für Ebola-Verdachtsfälle in Liberias Hauptstadt Monrovia aufgehalten, sie aber entgegen ärztlichem Rat verlassen und war über Ghana und Togo nach Lagos geflogen.

Mit akutem Fieber, Durchfall und Erbrechen wurde er dort in ein Privatkrankenhaus aufgenommen und zunächst auf Malaria behandelt. Als diese Behandlung fehlschlug, kam durch eine Reiseanamnese der Ebola-Verdacht auf. Er wurde isoliert, Blutproben wurden an die Uniklinik geschickt, wo sich die Diagnose Ebola bestätigte.

Bei Recherchen stellt sich heraus, dass dieser Index-Patient mit 72 Personen am Flughafen und im Krankenhaus in Kontakt gekommen war. Nach Rücksprache mit dem Nigerianischen Zentrum für Krankheitsbekämpfung (Nigeria Center for Disease Control, NCDC) rief das Bundesministerium für Gesundheit einen Ebola-Notfall aus.

Staat reagiert schnell

Die Metropole Lagos ist eine Drehscheibe für Wirtschaft, Industrie und und Reiseverkehr und damit ein Umfeld, in dem sich übertragbare Krankheiten sehr leicht ausbreiten können. Daher war ein rasches Eingreifen unter Einbindung aller verfügbaren öffentlichen Gesundheitsressourcen höchste Priorität. "Der Fall stellte für Nigeria eine enorme Bedrohung dar", so Tomori.

Bereits am 23. Juli installierte das nigerianische Bundesministerium für Gesundheit gemeinsam mit der Regierung des Bundesstaates Lagos und internationalen Partnern ein Ebola-Kriseninterventionszentrum als Vorläufer des aktuell bestehenden Katastrophenschutzzentrums (Emergency Operations Center, EOC).

Der Index-Patient starb am 25. Juli. In Folge traten 20 weitere Ebola-Infektionen in Nigeria auf. Alle konnten zum Indexpatienten zurückgeführt werden. Knapp 900 identifizierte Kontaktpersonen standen in diesem Zeitraum unter Beobachtung.

Acht Patienten starben - sieben mit bestätigter, einer mit wahrscheinlicher Ebola-Erkrankung. Am 20. Oktober erklärte die WHO Nigerai offiziell für Ebola-frei.

Die rasche Bekämpfung des Ausbruchs ist in hohem Maß dem frühzeitig eingerichteten EOC zu verdanken, das mit einem Incident Management Sytem IMS die Koordination der Maßnahmen sowie konsolidierte Entscheidungen ermöglichte.

Bewährte Strukturen. Ein Incident Manager wurde ernannt, dem die Organisationen und Arbeitsteams Bericht erstatten mussten.  Im Gegenzug war dieser für die Bereitstellung nachvollziehbarer und transparenter Ergebnisse an das NCDC sowie das Bundesminsterium für Gesundheit verantwortlich.

Sterblichkeitsrate lag bei 40 Prozent

899 Kontaktpersonen wurden identifiziert, 20 erkrankten, acht starben. Dier Sterblichkeitsrate betrug somit 40 Prozent.

1289 Mitarbeiter in Lagos und Port HarcourtEOC waren beteiligt, den Ausbruch zu stoppen, davon waren mehr als 300 für die Identifizierung und Überwachung von Kontaktpersonen verantwortlich, mehr als 500 für die soziale Mobilisation und Kommunikation, mehr als 300 für Grenzposten, mehr als 100 in der klinischen Versorgung, mehr als 20 als Labormitarbeiter und mehr als 20 im Management.

Keiner aus dem medizinischen Personal, das Patienten betreute, wurde infiziert.

Der nigerianischen Regierung und den WHO-Vertretern vor Ort ist bewusst, dass die Gefahr dennoch nicht gebannt ist, so dass das Überwachungssystem auf hoher Alarmbereitschaft bestehen bleibt.

[05.11.2014, 15:02:19]
Dr. Wolfgang P. Bayerl 
Danke Angela Speth für diesen wichtigen Beitrag!
Im eindeutig hysterischen Deutschland, werden die vielen super, super, superspezialisierten teuren Spezialabteilungen wahrscheinlich arbeitslos bleiben.
Eigentlich schade. zum Beitrag »
[03.11.2014, 07:16:07]
Henning Kalk 
Tippfehler
Trotz des interessanten Inhaltes strotzt der Artikel nur so vor Tippfehlern. Da hätte ich mehr erwartet... zum Beitrag »

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