Ärzte Zeitung, 28.05.2015

Umfrage offenbart

Viele Bürger schätzen Ebola-Risiken falsch ein

Über Ebola ist viel berichtet worden - auch über die Übertragungswege des Virus. Eine Umfrage in Niedersachsen zeigt jetzt: Obwohl sich viele Bürger gut informiert fühlen, schätzen sie die Risiken von Ebola oftmals völlig falsch ein.

Von Peter Leiner

Viele Bürger schätzen Ebola-Risiken falsch ein

Ebolavirus: Nur 3,9 Prozent der Befragten beantworteten alle Fragen zur Virusübertragung korrekt.

© Fuse / Thinkstock

BRAUNSCHWEIG. Einer Befragung in Niedersachsen zufolge haben die meisten eine falsche Vorstellung davon, wie man sich mit Ebolaviren anstecken kann.

Die Befragung von Einwohnern in Braunschweig, Salzgitter, Vechta und Wolfenbüttel erfolgte durch Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig im Rahmen eines im März 2014 gestarteten Projekts, als die ersten Ebolaerkrankungen in Guinea gemeldet wurden (Emerging Infectious Diseases 2015; 21: 1012).

An der Online-Befragung nahmen 974 Menschen im Alter zwischen 15 und 69 Jahren teil. Der Fragebogen mit 27 Fragen zu sieben Themenbereichen und mit 123 Items stand sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch zur Verfügung.

Unter anderem wurden die Teilnehmer gefragt, ob sie Angst vor Ebola hätten, wie gut sie sich über das Virus und seine Übertragung informiert fühlten und wie das Virus übertragen wird.

Außerdem sollten sie angeben, wie sie das Risiko einer Erkrankung einschätzten und wie sehr sie sich davon bedroht fühlten.

Jeder Vierte fühlte sich gut informiert

Wie die Wissenschaftler um die Doktorandin Nicole Rübsamen aus der Arbeitsgruppe von Professor Rafael T. Mikolajczyk berichten, gab jeder Vierte an, er sei gut bis sehr gut über das Virus und die Erkrankung informiert.

29 Prozent beantworteten die Frage, ob "sie persönlich Angst vor Ebola" hätten, mit Ja.

Doch beim Thema Übertragungsweg des Virus patzten die meisten Teilnehmer. Nur 3,9 Prozent beantworteten alle Fragen zur Virusübertragung korrekt.

Knapp 74 Prozent gaben an, das Virus werde durch die Luft übertragen, und nicht, wie es korrekt ist, dass eine Infektion nur durch direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten wie Blut, Speichel, Schweiß, Urin, Stuhl oder Erbrochenem sowie über nicht-intakte Haut oder Schleimhaut erfolgen kann.

Genauso viele Befragte waren der Überzeugung, dass man sich bereits bei asymptomatisch Infizierten anstecken könne.

Fast jeder Fünfte (18,5 Prozent), der die Übertragung durch die Luft für möglich hielt, glaubte auch, sich bei der Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel anstecken zu können.

Insgesamt 7 Prozent der Befragten veränderten wegen der Ebolaepidemie sogar ihr Verhalten im täglichen Leben. So vermieden fast 69 Prozent von ihnen auf öffentlichen Plätzen jeglichen Kontakt mit Afrikanern, mehr als jeder Vierte (26,6 Prozent) verzichtete auf die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel.

Für den hypothetischen Fall, dass ein Ebolapatient aus Afrika in einer nahegelegenen Klinik versorgt würde, gaben knapp 87 Prozent aller Befragten an, sie würden dann ihr Verhalten ändern: 16,4 Prozent würden nicht mehr die öffentlichen Verkehrsmittel benutzen, und die meisten (knapp 75 Prozent) würden deutlich mehr auf Hygiene achten, etwa die Hände öfter als sonst waschen.

Knapp 30 Prozent würden sogar Freunde, die in derselben Klinik wie der Ebolapatient behandelt würden, nicht besuchen.

Quarantäne und Einreiseverbot

Befragt wurden die Teilnehmer auch zur Prävention einer Ausbreitung der Ebolaepidemie nach Europa, wobei zehn Optionen vorgegeben waren, etwa "Verbot des Rücktransports für in Afrika hilfeleistende Deutsche, die dort an Ebola erkrankt sind" oder "Verbot der Einreise aus betroffenen afrikanischen Ländern (keine Vergabe von Visa), auch wenn kein Verdacht auf Ebola besteht".

17 Prozent sprachen sich für Einreisebeschränkungen für Reisende aus von Ebola betroffenen Ländern aus, für eine Quarantäne für Rückkehrer einer Hilfsmission in Westafrika sogar fast 38 Prozent.

Jeder Zehnte wollte schließlich ein Einreiseverbot für jene, die sich während einer Ebola-Hilfsmission mit dem Virus angesteckt haben. Andererseits würden der Befragung zufolge fast 39 Prozent selbst nach Westafrika zur Bekämpfung von Ebola gehen.

Wenn es einen Impfstoff gegen die Ebolavirusinfektion gäbe, bestünden 86 Prozent auf einer Impfpflicht in den von der Epidemie betroffenen Ländern. Mehr als 36 Prozent würden sogar in Deutschland für eine Impfpflicht für medizinisches Personal plädieren.

 Jeder Zweite (51,5 Prozent) ginge sogar so weit, die Impfpflicht für jeden in Deutschland für den Fall zu fordern, dass die Zahl der Patienten mit einer Ebolaerkrankung in Deutschland steigt.

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