Ärzte Zeitung, 15.03.2016

Sexuelle Übertragung

Ebola-Virus im Sperma macht Sorgen

Die Ebola-Epidemie in Afrika ist offiziell für beendet erklärt worden. Dennoch sorgen sich Forscher über die vielen möglichen Übertragungswege - etwa die von Mutter auf Kind oder beim Sex.

NEU-ISENBURG. Ein großes Problem auch nach dem offiziellen Ende der Ebola-Epidemie ist die lange Überlebenszeit des Virus in Körperflüssigkeiten wie Sperma.

So wiesen Forscher um Dr. Daouda Sissoko bei einem von 25 untersuchten Überlebenden aus Guinea auch 300 Tage nach Krankheitsausbruch das Virus in der Samenflüssigkeit nach. Das berichteten sie bei der "Conference on Retroviruses and Opportunistic Infections" in Boston (Abstract 75 LB).

Sissoko und seine Kollegen vom Nationalen Institut für Gesundheit und medizinische Forschung in Paris schätzen, dass bei etwa zehn Prozent der Überlebenden noch ein Jahr nach Ausbruch der Krankheit das Ebola-Virus im Sperma nachweisbar ist.

Dennoch haben viele Überlebenden Sex, ohne sich mit Kondomen vor einer Infektion zu schützen: Bei einer Befragung gaben nur fünf von 126 Überlebenden an, sich beim Sex mit Kondomen zu schützen. Darauf weist das amerikanische National Health Institute in einer Mitteilung hin.

Langfristige Programme für Ebola-Überlebende mit regelmäßiger Untersuchung der Samenflüssigkeit und Aufklärung über geschützten Geschlechtsverkehr seien daher wichtig.

Stillende Mütter sollen sich regelmäßig auf Ebola testen lassen

Inwieweit auch Frauen das Virus sexuell übertragen können, ist unklar. Bei einem Ebola Ausbruch im Kongo 1995 habe sich das Ebola-Virus im Vaginalsekret einer Überlebenden bis zum 33. Tag nach Ausbruch der Krankheit nachweisen lassen, berichten Wissenschaftler um Anna Thorson (BMJ Open 2016; 6:e008859).

Auch eine Übertragung von der Mutter auf das Kind über die Muttermilch scheint nach Angaben der WHO möglich zu sein. So wiesen Wissenschaftler in einem Fall in der Muttermilch einer Überlebenden neun Monate nach den ersten Krankheitssymptomen Virus-RNA nach.

Die WHO rät daher überlebenden Frauen, die ihr Kind stillen, die Muttermilch regelmäßig auf das Ebola-Virus testen zu lassen und bei einem Nachweis das Kind mit Babymilch zu ernähren.

Eine sexuelle Übertragung hält die Organisation insgesamt zwar für unwahrscheinlich, die Gefahr sollte aber nicht außer Acht gelassen werden.

Denn bei mehr als 16.000 Ebola-Überlebenden besteht die begründete Gefahr, dass es trotz geringer Wahrscheinlichkeit für eine sexuelle Übertragung Überlebende gibt, die weitere Menschen infizieren können.

Wegen der Unklarheit über die Übertragungswege rechnet die WHO auch weiterhin immer wieder mit kleineren Ausbrüchen, so genannten flare ups. (bae)

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