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Harnwegsinfekt

Nicht jede Frau will Antibiotika

Bei unkomplizierten Harnwegsinfekten würde jede dritte Frau initial auf Antibiotika verzichten. Auch ohne gehen die Symptome meist deutlich zurück.

Peter LeinerVon Peter Leiner Veröffentlicht:
Bei Unterleibsbeschwerden sind nicht selten Harnwegsinfekte die Ursache.

Bei Unterleibsbeschwerden sind nicht selten Harnwegsinfekte die Ursache.

© Springer Verlag GmbH

AMSTERDAM. Sind Sie bereit, zunächst für eine Woche auf eine Antibiotikabehandlung zu verzichten? Das haben niederländische Allgemeinmediziner Frauen mit unkomplizierten Harnwegsinfektionen gefragt.

Die prospektive Studie fand von April bis Oktober 2008 im Großraum Amsterdam statt. Von 137 Patientinnen willigten 51 (37 Prozent) ein (BMC Fam Pract 2013; 14: 71). Nach einer Woche hatten 28 der 51 Frauen (55 Prozent) tatsächlich kein Antibiotikum eingenommen.

Bei 20 der 28 Patientinnen (70 Prozent) waren nach einer Woche die Symptome deutlich gelindert oder verschwunden. Allerdings blieb unklar, ob eine mikrobiologische Heilung vorlag. Denn abschließend wurde keine Bakterienkultur angelegt. Keine Patientin entwickelte jedoch eine Pyelonephritis.

Patientinnen nach ihren Wünschen fragen

Die Ergebnisse der Studie deckten sich mit Resultaten einer britischen Untersuchung (BMJ 2010; 340: c279), berichten die Ärzte um Dr. Bart J. Knottnerus von der Abteilung für Allgemeinmedizin der Universität Amsterdam.

Es wurde nämlich deutlich, dass Patientinnen nicht immer auf einer Antibiotikatherapie bestehen, die behandelnden Ärzte aber meist davon ausgehen.

Das belege auch die Tatsache, dass in der aktuellen Studie von den 176 Patientinnen 39 Frauen ungefragt sofort antibiotisch behandelt worden waren, so Knottnerus. Warum die Ärzte ihre Patientinnen nicht nach ihren Wünschen gefragt hatten, sei unklar.

Müssen Frauen mit unkomplizierten Harnwegsinfekten also sofort mit Antibiotika behandelt werden oder reicht eine symptomatische Therapie?

ICUTI-Studie mit Hausärzten in Niedersachsen und Bremen

Um dies zu klären, hat 2012 eine randomisierte Studie unter Leitung des Instituts für Allgemeinmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover begonnen.

Die Studie ICUTI (Immediate vs. conditional use of antibiotics in uncomplicated urinary tract infection) läuft bis Januar 2016.

In der Kontrollgruppe wird unmittelbar mit Fosfomycin-Trometamol behandelt, in der Interventionsgruppe zunächst mit Ibuprofen und nur bei anhaltenden Beschwerden antibiotisch.

50 hausärztliche Praxen in Niedersachsen und Bremen nehmen teil. Geplant ist, am Ende Daten von 500 Patientinnen auswerten zu können.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Fragt erst mal die Frauen!

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