Ärzte Zeitung, 10.09.2004

Jeder vierte Hepatitis-C-Patient hat keine klinischen Symptome

Daten einer Anwendungsbeobachtung / Drogen-Injektion häufigste Infekt-Ursache

LEIPZIG (otc). Fast 26 Prozent der Patienten mit chronischer Hepatitis C (CHC) haben keine klinischen Symptome. Zudem sind CHC-Patienten nach Schätzungen bei Therapiebeginn im Mittel schon knapp zwölf Jahre infiziert. Diese Daten einer online geführten Beobachtungsstudie in gastroenterologischen Schwerpunktpraxen sind auf der 59. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen in Leipzig vorgestellt worden.

In Deutschland sind epidemiologische Daten zu Infektionswegen, Begleiterkrankungen und der klinischen Symptome von Patienten mit CHC rar. Aus diesem Grund wurde am 1. März 2003 eine bundesweite Anwendungsbeobachtung (AWB) gestartet, berichtete Dr. Dietrich Hüppe aus Herne bei einem Pressegespräch.

Ziel der AWB, die aus einer Screening- und einer Behandlungsphase besteht, ist es, die Versorgung von CHC-Patienten zu optimieren. Unter anderem wird durch die engmaschige Betreuung innerhalb der AWB die Compliance der Patienten gefördert. Initiatoren der AWB sind der Berufsverband Niedergelassener Gastroenterologen Deutschlands e. V. und das Unternehmen Hoffmann-La Roche.

In das online-Register wurden bisher Daten von 5042 Patienten aus 410 Zentren aufgenommen. Bei 4040 Patienten sei das Screening inzwischen abgeschlossen, so Hüppe. In der Screening-Phase werden die demographischen, epidemiologischen und sozialen Daten der Patienten anonym erfaßt. Anschließend werden Informationen zu denjenigen Patienten aufgenommen, die mit pegyliertem Interferon alfa-2a (Pegasys®) und Ribavirin (Copegus®) behandelt werden. Dies seien inzwischen 1671 Patienten, sagte Hüppe.

Eine Zwischenauswertung der bisher gewonnenen Daten ergab unter anderem, daß über die Hälfte der Patienten vom Hausarzt und acht Prozent vom Internisten überwiesen wurden, 23 Prozent stellten sich aus eigener Initiative vor. Symptome, die zur Diagnose führten, waren unter anderem erhöhte GPT-Werte, Müdigkeit und Mattigkeit, Konzentrationsschwäche, abdominelle Beschwerden, Gelenkschmerzen, Gewichtsverlust, Ikterus. 26 Prozent der Patienten hatten keine klinischen Symptome.

Die Infektionsdauer wurde im Mittel auf 11,9 Jahre geschätzt. Soweit bekannt, wurden 47 Prozent der Patienten durch Drogengebrauch, 18 Prozent durch Blutprodukte, und knapp neun Prozent durch medizinische Maßnahmen infiziert. Etwa 40 Prozent derjenigen Patienten, die sich vorgestellt hatten, haben ein Alkohol- oder Drogenproblem, weshalb aktuell keine Therapie begonnen wurde.

Im März 2005 soll eine detaillierte Zwischenanalyse der Therapiedaten zur Effektivität und Sicherheit der antiviralen Therapie erfolgen.

STICHWORT

Chronische Hepatitis C

In Deutschland haben 300 000 bis 800 000 Menschen eine chronische Hepatitis C. Die meisten wissen nichts von ihrer Infektion. Unerkannt und unbehandelt kann die Erkrankung zu Leberfibrose, -zirrhose und -krebs führen. Das Robert-Koch-Institut empfiehlt bereits bei leicht abweichenden Leberwerten von den Normwerten oder bei Infektionsrisiken in der Anamnese wie Drogengebrauch oder Bluttransfusion vor 1991 einen Test auf Hepatitis C. Dieser Antikörpertest fällt unter die Abrechnungsziffer 3481 und belastet das Laborbudget nicht. (otc)

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