Ärzte Zeitung, 18.11.2004

Plädoyer für mehr Tests auf Virus-Hepatitis

Über eine Million Menschen in Deutschland sind unerkannt mit Hepatitis B oder C infiziert / Samstag ist Lebertag

FRANKFURT/MAIN (eis). Über eine Million Menschen in Deutschland haben eine chronische Virushepatitis und wissen nichts von ihrer Infektion. Experten plädieren daher für mehr Aufklärung und Früherkennung bei Hepatitis B und C. Anlaß ist der 5. Deutsche Lebertag am 20. November

Im Bundesgesundheitssurvey von 1998 waren von 6748 Menschen aus der Normalbevölkerung in Deutschland 0,6 Prozent chronisch mit Hepatitis-B-Viren (HBV) und 0,4 Prozent mit Hepatitis-C-Viren (HCV) infiziert, wie Dr. Doris Radun vom Robert-Koch-Institut in Berlin berichtet hat. Zudem werde geschätzt, daß jeweils bis zu 500 000 Menschen chronisch mit HBV oder mit HCV infiziert sind, so Radun bei einer Veranstaltung der Deutschen Leberhilfe e.V. in Frankfurt/Main.

      Jeder 5. Patient mit HCV kriegt langfristig eine
Zirrhose.
   

Die Inzidenz von Hepatitis B ist durch Impfprogramme seit 1997 rückläufig. Bei Hepatitis C steigt die Zahl neudiagnostizierter Patienten. Infektionsrisiken waren bis Anfang der 90er Jahre vor allem Bluttransfusionen, und Patienten mit diesem Risiko sollten getestet werden, so Radun, ebenso Menschen aus anderen Risikogruppen und Patienten mit erhöhten Leberwerten.

"In Arztpraxen sind unendlich viele Patienten mit erhöhten Transaminasen, die nicht auf Virushepatitis abgeklärt werden", kritisierte Achim Kautz, der Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft Leber e.V. Leberkrankheiten hafte immer noch das Stigma von Alkohol und Drogen an. Deshalb fehle eine Lobby, die in der Öffentlichkeit angemessen über die Erkrankung und über die Therapiemöglichkeiten informiere.

Unbehandelt droht etwa 20 Prozent der HCV-Patienten eine Zirrhose mit Leberkrebs als mögliche Folge.

Mehr als die Hälfte aller HCV-Patienten können heute mit einer Therapie aus Peginterferon plus Ribavirin geheilt werden. In einer Studie mit 4785 diagnostizierten HCV-Patienten in Deutschland bekamen aber nur 41 Prozent die Therapie, kritisierte PD Thomas Berg von der Charité.

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