Ärzte Zeitung, 27.04.2005

Bei Hepatitis C gibt es eine zweite Therapiechance

Pegyliertes Interferon hilft, wenn erste Therapie versagt

PARIS (grue). Bei Patienten mit chronischer Hepatitis C, die auf eine antivirale Kombinationstherapie nicht ausreichend angesprochen haben, kann eine weitere Interferon-basierte Therapie doch noch erfolgreich sein.

Drei Modelle des viralen Erregers der Hepatitis C. Foto: Hepatitis-C-Forum

Das lassen Zwi-schenergebnisse der EPIC(3)-Studie (Evaluation of PegIntron in Control of Hepatitis C Cirrhosis) vermuten, die bei der Jahrestagung der europäischen Hepatologen in Paris vorgestellt wurden. Wie Professor Thierry Poynard aus Paris auf einer von Schering-Plough organisierten Veranstaltung berichtete, wurden in die noch laufende EPIC(3)-Studie 2200 leberkranke Hepatitis-C-Patienten aufgenommen.

Diese Patienten hatten auf eine erste Therapie mit Interferon-alpha plus Ribavirin nicht oder nicht dauerhaft angesprochen. Sie erhielten für 48 Wochen eine Kombination aus Peg-Interferon-alpha-2b plus Ribavirin (Pegintron® und Rebetol®, beides von Essex Pharma).

Die Daten der ersten 1000 Patienten belegen, daß sich der erneute Therapieversuch lohnen kann: Bei 64 Prozent der Patienten fiel die Viruslast innerhalb von zwölf Wochen deutlich ab. Bei 21 Prozent wurden die Viren anhaltend eliminiert, was als "sustained virological response" (SVR) bezeichnet wird.

Das heißt noch sechs Monate nach Therapieende waren keine Viren nachweisbar. Man habe außerdem Parameter gefunden, die für eine günstige Prognose sprechen, so Poynard. Demnach ist die Chance auf eine SVR am größten bei Patienten mit den HCV-Genotypen 2 und 3 (56 Prozent statt nur 14 Prozent bei Genotyp 1), bei Patienten, die ursprünglich erfolgreich behandelt wurden (41 vs. 14 Prozent bei Non-Respondern), und bei solchen mit mäßiger Leberfibrose (26 vs. 15 Prozent bei schwerer Fibrose).

Unabhängig davon lasse sich bereits nach zwölf Wochen abschätzen, ob die Therapie erfolgreich sein wird. Patienten, bei denen die Virusmenge zu diesem Zeitpunkt um mindestens zwei Log-Stufen gesunken war oder die keine Viren mehr hatten, waren zu 36 und 57 Prozent am Ende der Therapie virusfrei.

Umgekehrt war bei Patienten mit ungünstiger Viruskinetik ein spätes Therapieansprechen unwahrscheinlich, weshalb für diese Patienten nach anderen Therapieoptionen gesucht werde, sagte Poynard. Dafür sind in EPIC(3)-Anschluß-Studien vorgesehen: Patienten ohne meßbaren Therapieerfolg werden nach zwölf Wochen auf eine Peginterferon-Erhaltungstherapie umgestellt. Sie dauert je nach Schwere der Lebererkrankung drei bis fünf Jahre.

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